Bilderbuch-Startup und Kommentarsystem Tucent

Freitag, 3. Juli 2009 - Kategorie: Informieren

Über einen Bericht von Förderland bin ich zunächst auf das spannende Gründer-Projekt orchestra.com gestoßen. Spannend, weil die Macher sich entschieden haben, den gesamten Gründungsprozess per Blog zu begleiten und dabei auch die Geschäftsidee komplett offen zu legen. Da ich hier ja auch meine vielleicht nicht immer ganz überzeugenden Startup-Konzepte veröffentliche, kann ich diesem Schritt und seiner Begründung nur beipflichten.

Über einen Kommentar bin ich dann weiter zum bereits bestehenden Startup Tucent gestolpert. Tucent ist ein beliebig integrierbares System zur Kommentierung einzelner Textpassagen, also ähnlich wie bei Word oder Acrobat. Der Auftritt ist sympathisch und der Ansatz interessant. Allerdings stellte sich bei mir sofort die Frage nach dem Usernutzen, denn die meisten textlastigen Webseiten (Blogs) sind ja schon mit Kommentarsystemen ausgestattet und werden trotzdem kaum genutzt.



Spontan würden mir Bereiche wie "Hausarbeit / Diplomarbeit" oder ein digitaler Workflow beim Berichtswesen in Unternehmen und der PR- und Marketing-Texterei einfallen. Dafür müsste allerdings ein kompletter und vor allem geschlossener Workflow her. Wenn man hier so etwas wie einen geschlossenen Abstimmungsprozess nach dem Muster Google Wave hinbekäme, also verschiedene Teilnehmer bei Knopfdruck einladen, hätte das durchaus was. Es dürfte allerdings recht schwer werden, die alten Offline- bzw. Intranet-Gewohnheiten in diesen Bereichen zu durchbrechen (Nachtrag: und vor allem die Sicherheitsbedenken zu zerstreuen). Trotzdem, interessanter Ansatz...

Lesetipp: Live-Roman

Freitag, 3. Juli 2009 - Kategorie:

"Zucker stand auf dem Tisch. Auch ein Krug Milch, den er eine halbe Handbreit in ihre Richtung schob."

So der aktuelle Satz vom Roman "Der Berg der Schnee und ich", den Tobias Wimbauer über Twitter entstehen lässt. Twitter-Romane sind inzwischen ja eher ein alter Hut, aber gute Erzählungen, das ist in der Tat neu...



Via Trotzendorff

Startup-Konzept: Zum Abschuss freigegeben

Donnerstag, 11. Juni 2009 - Kategorie: Informieren

Heute ist Putztag und es fliegt einiges raus. Unter anderem auch ein kleines Startup-Konzept, das hiermit zum Abschuss freigegeben ist. Und ja, ich wollte es eigentlich sein lassen, aber mit solchen Spinnereien kann man so wunderbar dem Alltag entfliehen - und sie tun ja keinem weh.

Das beste an dem Konzept ist sicher der Name: "Hooks & Filter" ist eigentlich eher Programmiererzeugs und - großes Kino - die Abkürzung H&K erinnert irgendwie an D&G, ist also mächtig subversiv:


Nun zum Problem: Das Teil gibt's leider schon in einer leicht abgewandelten Version und heißt socialmedian.com. Wie die mir die Idee klauen konnten, noch bevor ich sie hatte, ist mir schleierhaft. Über "gibt's doch eh schon" können wir also reden, komm mir aber keiner mit: "ist doch scheiße" oder "funktioniert eh nicht", denn socialmedian funktioniert und wurde, wie mir google geflüstert hat, vor nem halben Jahr vom allseits bekannten Xing übernommen.

Also, ich würde das Teil trotzdem noch umsetzen, auch wenn man sich dadurch wieder einmal dem Vorwurf aussetzen würde, die Deutschen (nicht die Chinesen!) könnten halt nur billige Kopien auf die Beine stellen. VZ ist damit ja reich geworden, und die Chinesen werden's auch noch...

Vom Early-Adopter zum Only-Adopter

Mittwoch, 10. Juni 2009 - Kategorie: Informieren

Die Trendschau hat nur wenige Leser, dafür aber zwei Gruppen: Freunde aus der Realwelt, die hier auf spektakuläre Enthüllungen aus meinem Privatleben warten ;-) und einige Netzweltler, die mein Interesse an Digitalthemen teilen. Durch das letzte Blogposting und über zahlreiche andere - von mir wohl sehr subjektiv wahrgenommenen - Netzentwicklungen, ist bei mir wieder eine Dauerfrage aufgekeimt, die ich ganz neutral stellen will:

Was passiert eigentlich, wenn sich die oft beschriebene Kluft zwischen Netznerds und Menschen mit anderen Interessensschwerpunkten noch weiter vertieft?

Die Netznerds sind die Early-Adopter von Netzanwendungen. Wie in allen anderen Wirtschaftsbereichen auch würde ohne sie jede Innovation schon im Ansatz verhungern. Menschen mit anderen Interessensschwerpunkten sind die breite Masse, die einer Innovation das Überleben sichert. Ohne sie also kein "break through" (oder "break even", wie ihr wollt). Wenn sich die Kluft also vergrößert, dürfte der Übersprung häufiger ausbleiben und eine Markbereinigung und irgendwann ein Richtungswechsel oder eine Charakteränderung der Webanwendungen folgen.

Ich gebe mal vier ganz kurze Beispiele:
1. Facebook: Nutzen eindeutig, Anwendung simple, Übersprung geglückt.

2. Twitter: befindet sich vielleicht gerade in einer kritischen Phase, die Vermittlung des Nutzens an Nicht-Netz-Nerds stellt selbst Netzwertig vor Herausforderungen.

3. Friendfeed: Vermutlich ein geniales Tool, aber selbst Netznerds rechnen aufgrund der Komplexität kaum mit einem Übersprung.

4. Google Wave: So genial, dass ich selbst gerne drauf gekommen wäre ;-) Aber zur Vorstellung und Erklärung des Tools mussten die Googleianer erst einmal mit Youtube hart verhandeln (weißichnatürlichnicht), um ein fast anderthalb-stündiges Video hochladen zu können.

Ohne weitere Worte, aber gespannt auf eure Meinung.

Montag gibt's wieder Trash-Literatur-Ergüsse.

Twitter - Das Ende des Hypes?

Mittwoch, 10. Juni 2009 - Kategorie: Informieren

Da ich meine Leser nicht nur mit Trash-Ergüssen belasten möchte, zwischendurch mal ein kleiner Fach-Beitrag.

Meine Probleme mit Twitter habe ich hier vielfach beschrieben, nun verdichten sich allerdings die Hinweise, dass der Vogel sein Nest doch nicht im Mainstream baut:
  1. Schon vor einiger Zeit hat eine Umfrage den typischen deutschen Twitterer als Medienmacher um die 30 beschrieben. Also kein Mainstream.
  2. Deutsche Startups hat nun eine Umfrage veröffentlicht, wonach immerhin jeder dritte aktive Nutzer Twitter für einen vorübergehenden Hype hält.
  3. Derweil hat Mashable Zahlen veröffentlicht, die vom Ende des phänomenalen Twitter-Wachstum künden.
  4. Schon vor einiger Zeit hatte der Netzökonom berichtet, dass die Anmeldezahlen angesichts der hohen Aufmerksamkeit für Twitter eher zu wünschen übrig lassen und vor allem 60% der angemeldeten Nutzer nicht zurückkehren, also mit Twitter wenig anfangen können.
Trotz meiner kritischen Einstellung wünsche ich Twitter ganz sicher nicht den Untergang, aber man sollte doch versuchen, ein paar Folgerungen daraus zu ziehen:
  1. Wie Mark Drapeau auf O'Reilly feststellt, ist Twitter eben KEINE Kommunikationsplattform, sondern bietet sich eher für knowledge sharing an. Konversation ist schon deshalb kein Erfolgsaspekt für Twitter, weil in naher Zukunft sehr wahrscheinlich viele Twitterer zu Google-Wave abwandern dürften.
  2. Für mich gibt es zwei Erfolgsaspekte, die Twitter als Knowledge-Sharing-Tool vielleicht weiterbringen:
  3. Twitter könnte ein wunderbares Monitoring-Tool sein - "könnte", denn für mich ist es nach wie vor völlig unfassbar, dass es inzwischen zwar hunderte Varianten von Twitterfall gibt, die aufgrund fehlender Duplikatfilterung und Relevanzbewertung jedoch ALLE VOLLKOMMEN UNBRAUCHBAR sind. So lässt sich Information nicht effektiv filtern und "Knowledge" eben auch nicht "sharen".
  4. Twitter hat für mich als Stand-Alone-Lösung kaum eine Zukunft. Es könnte aber im Rahmen des Knowlegde-Sharings eine Rolle spielen, wenn - ähnlich wie bei Friendfeed - die Informationen (Medienberichte, Blogbeiträge etc.) im Fordergrund stehen und sich Twitter als Kommentartool um diese Information rankt.
Dass es bei diesem ganzen Twitter-Gehype und -Gequatsche noch immer zu keinen wirklich sinnvollen Ansätzen gekommen ist, beschreibt für mich übrigens auch die m.E. dramatische Kluft zwischen Digital-Nerds und Normalverbrauchern, die gerade auch wieder Martin Weigert auf Netzwertig thematisiert. Nur helfen da allerdings keine "Missionarstationen" (ohnehin ein seltsames Selbstverständnis), sondern nur Weblösungen, die in ihrem Ergebnis/Nutzen auch die Menschen außerhalb dieses Paralleluniversums überzeugen.

Menschmaschinen

Montag, 8. Juni 2009 - Kategorie: Schreiben

Abfall für Auserwählte: Kapitel vor, Kapitel zurück.

Gerade hatte ich mir die nächste Frage zurechtgelegt, als ich plötzlich stutzig wurde: Mit der Antwort stimmte was nicht. Es war wie mit der scheiß Katze, die damals einen Kratzer in die Matrix machte und Keanu Reeves mit seinem makellosen Teint einen willkommenen Vorwand bot, die ganze schöne Illusion kurz und klein zu hacken, freilich nicht ohne seinen Amoklauf mit diesem religiösen Brimborium zu verbrämen, obwohl wir als wahren Antrieb doch alle seine Furcht erahnten, dass sich Anne Catrin Moss sonst wohl kaum noch so bereitwillig hingegeben hätte. Also macht er da so ein Ding um den Kratzer – und auch ich war mir inzwischen ziemlich sicher, dass ich auf genau diese Frage schon mal eine andere Antwort gehört hatte: „Apparently“ hieß es damals, und auch wenn ich um die Zwänge der Drehbuchschreiber weiß, in einer frühabendlichen Serie die Sendezeiten nicht allzu sehr mit ausschweifenden Erklärungen zu strapazieren, so war ich mir doch sicher, dass sie damals im Kern die richtige Antwort gegeben hatten und die neue gehypte Knowledge-Engine Wolfram|Alpha eben doch falsch lag. Denn wie sonst hätte Kirk damals einen Weg aus dem Paralleluniversum finden können?



Und während ich noch grübelte, wie also Reeves in meiner Situation vorgegangen wäre, kam mir eine Szene in den Sinn, die sich viele Jahre später abspielen sollte: Inzwischen hatte Kirk den Drehbuchschreiber gefeuert, und dann wurde Kirk von der Produktionsfirma gefeuert, und so übernahm ein Glatzkopf die Regie auf dem Schiff, und dieser eher mit hohen moralischen Standards ausgestattete Picard lief irgendwann zum Feind über und wurde dort von seinen neuen Freunden mit ein bisschen Elektronik aufgepeppelt. Nun hatte Picard nicht den Teint eines Reeves und zudem verhalf ihm das elektronische Zeugs auch zu deutlich klareren Aussagen, doch der unerfahrene Drehbuchschreiber hatte offensichtlich ein Vermittlungsproblem, denn nun jammerten und buhten die alten Weggefährten und starteten – ganz nach dem von vincereardon beschriebenen Muster der kreativen Klasse – eine eher technikfeindliche Gegeninitiative.

Genau diese Reaktion hat interessanter Weise vor einiger Zeit und in einem ähnlichen Zusammenhang auch Neal Stephenson prophezeit, dessen Bücher ja neben den synthetischen Drogen zu den Dingen gehören, die Leute wie David Cronenberg bei ihren Cyberpunk-Phantasien reichlich genossen haben dürften. Und während Stephenson mit der Forderung nach einem Netzfilter seiner Zeit wieder voraus ist, kramt die kreative Klasse und allen voran James Cameron Stephensons reichlich verstaubte Vision eines 3D-Avatars wieder hervor, während die viel weitsichtigeren Konzepte von Filtern, Menschmaschinen und Klon-Armeen meist nur als Negativpause herhalten dürfen und sich sogar bis hinunter in die billigen Psychostreifen fressen, in denen regelmäßig ein paar eineiigen Zwillinge zum Angriff auf unser Verständnis von Freiheit und Individualität blasen. Das Cameron nun Sigourney Weaver für seinen 3D-Streifen verpflichtet hat, ist dennoch interessant, denn auch wenn es bezeichnenderweise als das schlechteste Werk von Jean-Pierre Jeunet gilt, so war Alien 4 doch der einzige Film, in dem ich mein Herz völlig ohne schlechten Beigeschmack an einen Klon (Sigourney) und einen Androiden (Winona) verschenken durfte...

Fortsetzung folgt...

Perlen

Dienstag, 2. Juni 2009 - Kategorie: Schreiben

Hier geht's zu Kap. 1 von Abfall für Auserwählte

Da kam er nun also, der finale K.O.-Schlag, mich streift ein Windhauch „...nun wirst du fallen, wie die Kurse der Börsen...“ das Ende war nah! In dieser winzigen Zeitspanne, in der man die Unausweichlichkeit des Einschlags begreift, verkrampfen die Muskeln und der Geist sucht Erholung: „Ist die Herdplatte aus?“ doch die Tür ist schon zu und der Strand nicht mehr fern, und dort drifte ich hin und beobachte nun, wie die Platte erhitzt und die Skyline zerschmilzt, wie die Türme zerfließen und das Auge erlöst von der Ordnung der Dinge, Ding ing Dng dg ng in Don ...


Bild: Melting Pot

„Ding Dong“ Seismic sprengt mir die Augenlieder, mein Kopf zuckt zurück und ich erwache vor dem Schaltpult meiner Steuerzentrale. „Was war das für ein seltsam fremder Sound“, denke ich noch und muss kurz darauf einen Anflug von Depression herunterkämpfen: es war unser KOM.puter Seismic, der mich so auf eine Direktnachricht über Twitter aufmerksam machte. Das Leben kann einsam sein - und ebenso die Reise durch den Space, denn die Chance eines Direkteinschlags durch einen Tweet dürfte in etwa dem Verhältnis von Sternen zum Raum entsprechen. Eine erfrischende Stimme überleuchtete jedoch den grauen Schweif am Himmel: „vincereardon @louisede Glad to see there are still bold investors willing to start up biotechs in Germany. Read my blog on issue. http://bit.ly/2rhHF“.

Vincereardon, ein bibliophiler Autodidakt aus den fernen Staaten, wie mir das System verriet, doch ich verstand kein Wort. Ich klicke auf den Link und lese einen kurzen Eintrag über die Fortschrittsfeindlichkeit der kreativen Klasse in Deutschland. „Ok, darüber können wir tweeten“, denke ich noch, als mir Feeddemon den Screen mit neuen Headlines zuschmiert: „Medienlese wird eingestellt“, „Rivva auf Sparflamme“ und „Weblin am Ende“. Schweiß perlt auf meiner Stirn, ich knüpfe mein Hemd auf, „verdammt, wie lang hab ich nur an diesem Strand gegammelt?“, der Kühler fährt höher, ich scanne die Systeme und verharre im Schock: „Die Quote überlebender Internet-Start-ups wird sich halbieren", „Deutschland degeneriert in ein Entwicklungsland“, „Internet, Bildungsfeindlichkeit und Intellektuellenhass“, „Internetzensur“, „Dieter Bohlen über das Filesharing“... Ich tupfe mir die Perlen von der Stirn: Wie konnte das nur passieren? Wie konnte sich der Traum in mein Universum hineinfressen? Wie konnte hier nur so urplötzlich dieser Wirbel entstehen?

Und während sich der Wirbel auf meinem Kopf zu einem Sturm der Synapsen vertiefte, just als der Sturm meine Füße vom Boden wegfegte, da streckte ich im Fallen meine Hand nach dem Licht, das uns Antworten versprach, um das Chaos zu lichten, und ich öffnete die Lippen und hörte mich sprechen:


Und der Computer antwortete:

"Wolfram|Alpha isn't sure what to do with your input.”

Fortsetzung folgt…

Abfall für Auserwählte

Samstag, 30. Mai 2009 - Kategorie: Publizieren

Liebe Trendschau-Leser. Abfall ist auch heute noch eine schmutzige Sache, doch als Exil-Kölner weiß man, dass sich gerade solche Geschäfte lohnen. 10 Jahre, nachdem Reinhald Götz mit seinem "Abfall für alle" der Generation der Ressourcen-Verschwender ein Denkmal gesetzt hat, werde ich nun eine autorisierten Recycling-Anlage „Abfall für Auserwählte“ erschaffen. Wenn sich bis zum 06.09.2009 eine Verdopplung der Trendschau-Leserschaft (Stand: 19 am 30.05.2009) abzeichnet, wird die Buchstabensuppe in einem Verlag meiner Wahl erscheinen. Das erste Kapitel war ja schon fertig, ist ja auch immer das schwierigste, sagt man.

Wer sich immer noch für Technik und so interessiert, der abonniere doch bitte meine Lieblingsblogs. Dann versteht man auch den ganzen Müll hier besser ...

Fallen

Montag, 18. Mai 2009 - Kategorie: Schreiben

Hundertneunzig Meter vom Auge bis zum tiefblauen Spiegel, dann weiter bis zum hellgelben Punkt am Himmel über dem Hafen, und irgendwo dort hoch über dem Ostseestädtchen zwitscherte gerade ein Vögelchen, als die Rechte krachend einschlug. Jetzt noch zwanzig Meter bis zum Ende der kleinen Halle, und auf dem Rückweg grüßte der Schall bereits die ersten Lichwellen, die das zartrosa Feilchen gerade verließen. Ob es Clemens Meyers Gossenslang oder Hemmingways Männlichkeitsposen waren, die mich in diesen acht mal acht Meter großen Kokon getrieben hatten, weiß ich nicht mehr. Aber ich wusste jetzt, dass es zwischen literarischem Genuss und realem Kickboxen einen spürbaren Unterschied gab. Am Ende schaffte es selbst der kräftige Mann in schwarz-weißer Wako-Tracht nicht mehr, meinen erschöpften Arm noch ein letztes Mal in die Höhe zu reißen.



Auch ohne K.O. lässt eine 3:0 Punktniederlage wenig Spielraum für Interpretationen und selbst hierzulande ist ein klares Eingeständnis die erfolgreichste Strategie bei so einem Malheur. Freilich sollte man das Handtuch auch nicht zu früh werfen. Am Tag genau vor einem Jahr um Punkt 14:09 Uhr überradelte ich unter dem gleichen hellgelben Punkt und einem anderen Himmel die Grenze von Billbrook nach Billwerder und verließ damit die letzten Reste einer industriellen Urbanität, falls die Ansammlung von Billigpuffs, Tankstellen und Imbissbuden inmitten von Gewerbebauten und Bille-Brücken diese Bezeichnung verdient. Kurz danach glotzte mich von rechts eine typisch norddeutsche Natur an, ein verschlafener Bach in einer zerrupften Wiese, ein paar verfilzte Sträucher und Bäume, eine Szenerie, die sogar die Hamburger Stadtverwaltung erweichen und fürsorglich Hinschilder platzieren ließ, um die Passanten um Ruhe und Rücksicht zu bitten. Damals ignorierte ich den deutenden Blick und wartete noch hoffnungsvoll auf eine Antwort von Stefan Glänzer, dem ich früh morgens eine zündende Idee für das nächste Große Web-Start-Up übermittelt hatte. Ein Jahr später wartete ich immer noch, als mir schließlich Axel Schmieglow nach dem dritten Anlauf zu verstehen gab, dass mich ein netter Denkansatz wohl kaum vor den Niederungen einer eigenen Gründung bewahren würde, zumindest bis zu einem „skallierbaren“ Prototyp.

Fortsetzung folgt ...

Ein ♥ für Blogs

Dienstag, 21. April 2009 - Kategorie: Informieren

Der Stylespion, eines der wenigen Profi-Blogs in Deutschland, hat zur Aktion "Ein Herz für Blogs" aufgerufen. Normalerweise beteilige ich mich ungern an Blogparaden, in diesem Fall riskiere ich jedoch ganz gerne mal einen Blick, wenn die Kollegen ihre Feed-Reader-Hosen runterlassen - nützlich auch als Erfrischungskur für den eigenen Reader.



Meine Lieblings-Blogs, thematisch sehr durcheinander:

ANAGKH - ein Blogkonglomerat zu ziemlich abseitigem Kulturtrash
Chipple - mein ältestes Feed-Abo: Indie-Pop aus Tokyo
Stationäre Aufnahme bestes Blog über das Gesundheitswesen
Upload - na klar,
bwlzweinull - immer tolle Analysen und Kommentare
kooptech - ebenfalls immer hohes Niveau
LeanderWattig - die junge Rakete unter den Medienblogs
wortgefecht - ebenfalls großartiges Niveau
elektrolese - immer die aktuellen Digi-Book-News auf dem Schirm
Hugo E. Martin - der große Kabbalist unter den Medienblogs
Dr. Weblog - für html, css, Bildbearbeitung und alles eigentlich toll
texto - sehr hilfreich für wordpress
themenriff - neu entdeckt, wird beobachtet ;-)
Netzwertig das Standardblog zu Web-Themen
Deutsche Startups wohl der umfassendste Newsflash

Vermutlich hab ich noch einiges vergessen, könnt ihr gerne unten dranhängen...

Overload - ein Problem und keine Lösung?

Montag, 20. April 2009 - Kategorie: Informieren

Während in Kalifornien Wissenschaftler vor Twitter und den Newsjunkies warnen, eröffnet in Kanada ein junger Mann die passende Entzugsanstalt: Nachrichtenportale, die eine Brücke zwischen dem Web3.0 und der redaktionellen Arbeit schlagen könnten.

Viel Humor haben in der letzte Woche ein paar sonnenverwöhnte Wissenschaftler der Universität Kalifornien bewiesen: Twitter schade der Moral seiner Nutzer, titelte eine Pressemitteilung, und gleich darunter die Erklärung, dass die "Überkommunikation" das Gehirn überfordere und gleichgültig mache. Und da Deutschland seinen moralischen Verfall schon häufiger zum globalen Problem erhoben hat, wurde die Meldung vorsichtshalber auch in die Sprache Goethes übersetzt.

(Update: der Link oben verweist auf die Original PM von pressetext, die PM ist in die Kritik geraten, diente hier aber ohnehin nur als Aufhänger...)

Nun kennen viele von uns einen ganz ähnlichen Vorwurf aus Ihrer Jugend, und nicht umsonst spricht man in der Webszene von "Newsjunkies". Schon damals reagierten die meisten mit Spot und konsumierten fröhlich weiter, selbst als sich bereits leise Zweifel regten. Eine verwandte Gemütslage stellte sich bei mir zum Ende der vergangenen Woche ein, als durch meine Feed-Adern in Folge einiger Twitter-Suchstrings zwischen 500 und 1000 News pro Tag rauschten. Die ständige Entzugsangst wechselte mit kaum noch verständlichem Tweet-Gelalle und endete schließlich in Phasen völliger Verzweiflung und - ja - Gleichgültigkeit, als im obersten Feed bereits 20 neue News warteten, während ich unten gerade die letzten wegklickte.


Bild by Blachon

Warum ist eigentlich ausgerechnet unsere Generation der Newsdroge Twitter so bedingungslos verfallen, während die im Netz aufgewachsene Jugend davon relativ unberührt bleibt? Ist Twitter etwa die Banane für die Umstürzler der Mediendiktatur? Etwas für Hinterwäldler, die die Nachrichtenfreiheit noch als etwas Exotisches empfinden?

Auf jeden Fall wurde mir klar, dass ich etwas ändern musste, und der gute Wille ist ja auch vorhanden: Denn eigentlich möchten wir doch Antworten und keine "Suchergebnisse", relevante Information statt Geschnatter, wollen zurück in eine Zukunft, in der man wieder alles serviert bekommt. Dem steht jedoch nicht nur Twitter im Weg, sondern das gesamte Netz, in dem sich Nachrichten, Analysen, Kommunikation und Duplikate unaufhaltsam vermischen...

Sanfter Entzug

Ich fange also mit meinen guten Vorsätzen bei Twitter an. Einige behaupten ja, dass Twitter nicht das Problem, sondern die Lösung sei: Dort findet man alles und viel schneller. Zuletzt hat sich sogar eine Aggregationsseite für twitternde Journalisten als neuer Prophet verkauft: "Heute wissen, worüber die Medien morgen schreiben". Doch bei meinem Versuch, Twitter als Monitoring-Tool einzusetzen, habe ich mir eine ordentliche Grippe eingefangen:

Zum Beispiel mit folgendem Suchstring:

"Bacteria OR Microbes filter:links [nur tweets mit links, also Geschnatter weg] -RT [=Retweets ausblenden] -job"
Der lieferte mir zwar eine der berühmten "Breaking News", jedoch schleusten sich in den folgenden Stunden die kleinen Bacteria-Biester über dutzende Medienmeldungen und hunderte Tweets in ständig neuen Variationen durch den Filter und um jedes geblockte Keyword herum in meinen Reader. Viral und multiresistent brachten sie mein Monitoring zum Kollaps.

Wie also Twitter effektiv nutzen? Seiten wie "Twitterfall" bewerben sich zwar als journalistische Monitoring-Tools, eine Blockierung von Duplikaten ist jedoch auch hier nicht möglich. Immerhin: Suchtools wie twazzup listen einem recht schön die Toplinks auf. Doch warum hat noch niemand ein Tool entwickelt, das mir jeden Link nur einmal liefert und sich am besten noch lernfähig an meine Interessen anpasst? Übrigens bieten auch hippe Clients wie seesmic, Tweetdeck oder DestroyTwiter soweit ich sehe keine Lösung. Bleiben also vorerst nur die Search Operators von Twitter und ein periodischer Overload....

Apropos Virus...

... ich hatte mich riesig gefreut, als ein geschätzter Heavy-Twitterer mit fast 1.500 followern einen Blogpost von mir zwitscherte, wollte schon bei meinem Traffic-Dealer eine zusätzliche Line buchen, verzeichnete dann jedoch nur 5 neue Hits. Ein Link von einem Blog mit vergleichbar vielen Abonnenten bringt über die Tage das 30-40-fache. Das Fazit: Masse produziert in Twitter eine Inflation in der Aufmerksamkeitsökonomie, und damit steht Twitter dem Social Network Myspace viel näher als den Blogs.

Ironischerweise sind es ganz überwiegend die Massenmedien, die virale Effekte in Twitter produzieren. Organisieren wir die Konterrevolution da etwa selbst?? Immerhin bin ich über Twitter auf die treffendsten Argumente gestoßen, warum sich dieser komische Vogel eben nur sehr eingeschränkt für die Marketing- und PR-Arbeit eignet. Als Ergebnis füttert nun auch noch das Themenriff meinen Feed.

Webverschwörung: Ein redaktionelles Web3.0?

Nachdem ich nun die Twittersuche halbwegs optimiert und die Gadget-Welt verflucht hatte, blieb nur noch der Rest des Drogen-Netzes übrig: Ganz trockenlegen, diese Drecksarbeit überlasse ich lieber der Regierung, denn es muss auch eine elegantere Lösung geben. Und hier bahnt sich nun offensichtlich eine leise Verschwörung zweier feindlicher Lager an:

Schon vor Jahren hat uns das Web3.0 ein intelligentes Netz und mehr Qualität versprochen, doch mangels spektakulärer Ergebnisse ist es heute recht still geworden. Vergangene Woche bin ich jedoch auf die semantische Jobsuchmaschine icjobs.de gestoßen. Die durchforstet das Web unablässig nach Stellenangeboten und fördert wirklich Erstaunliches zu Tage. Bahnt sich da etwa doch die semantische Revolution an, die sämtliche Redakteure arbeitslos und mich glücklich macht?

Kurz danach ist dann mein persönliches Licht aufgegangen: eqentia.com, ein junges Startup aus Toronto, bietet ein "vertical news environment" an, mit dem sich Professionals personalisierte Infoportale zu bestimmten Topics einrichten lassen können, und zwar mit Hilfe semantischer Techniken. Erst gerade ist ein neues Portal zum Thema World Economic Forum ins Netz gegangen, und das schaut in der Tat ziemlich gut aus:



Eqentia setzt jedoch nicht nur auf semantische Methoden, sondern will offensichtlich eine Art Redakteur mit einbinden:

"Eqentia is looking for partnerships with the following organizations or individuals:
- Topical experts that would like to become “Curators” for a particular Portal
- Organizations with a business idea or need pertaining to the creation of a special purpose or private Knowledge portal using Semantic relationships"

Also ein redaktionell betreutes Web3.0? Begriffe wie "Kurator", "Vertical", "Knowledge-Portal" und "News Envirenment" lassen mein Herz auf jeden Fall höher schlagen: Das ganze kommt meiner eigenen Gründeridee (sollte mal "vertical align" heißen) leider nicht nur sehr nahe, sondern ist um Längen besser. Schade, dass das Startup so weit weg ist, so muss ich vorläufig wohl weiter im Nachrichtensumpf verharren...

Tweetizen und die Dezentralisierung von Twitter

Montag, 13. April 2009 - Kategorie: Informieren

Der Trend zur Dezentralisierung, den Blogdienstleister bereits vor Jahren vollzogen haben, könnte nun auch für Twitter Realität werden: Mit dem neuen Dienst Tweetizen kann man nicht nur die eigene Twitter-Community gründen und in seine Homepage integrieren, sondern auch die Twitter-Funktion selbst - inklusive "repy" und "retweet". Das könnte ein zukunftsweisendes Konzept sein, denn was Twitter mit seinen exectweets begonnen hat - hochwertige Twitter-Stream für die Entscheiderebene entwickeln - ist nun auch im Eigenbau möglich. Der potentielle Nutzen für Homepagebetreiber: Man kann seinen Lesern nicht nur eine sehr einfache Mitsprache-Funktion bieten, sondern über die geziehlte Einbindung von "Fachtwitterern" die Seite auch inhaltlich aufwerten - ganz zu Schweigen von der unschlagbaren Aktualität eines Twitter-Streams.

Also: der Web2.0-Traum eines jeden Kommunikationsberaters, könnte man meinen. Doch dazu muss sich erst zeigen, ob Twitter tatsächlich im Mainstream angekommen ist und von genug Experten als relevantes Kommunikationstool genutzt wird, und zwar auch außerhalb des Medienbizz. Daran habe ich derzeit noch meine Zweifel.




Im Detail. Tweetizen bietet zwei Nutzungsmöglichkeiten:

Filter-Streams
Man kann über verschiedene Suchbegriffe einen eigenen Themenstream filtern und diesen auf die eigene Homepage einbinden (embed). Twitterer können also ihre Nachrichten einfach über einen Schlüsselbegriff an die Seite senden oder direkt auf der Seite hinterlassen.

Um "Keyword-Spam" zu vermeiden, kann man über die Suchabfrage zusätzlich geziehlt eine "Positivliste" von Usern erstellen. Die Filter-Anfrage lautet dann etwa so:

"ibdialog" from:louisede OR from:trendschau OR ...

"ibdialog" ist dabei das Keyword, "from:louisede" sind die User. Es könnte sein, dass die Positivliste auf 10 User beschränkt ist, so sieht es jedenfalls bei der zweiten Tweetizen-Funktion, der Gruppenbildung, aus...

Usergruppe
Man kann exklusive Communities mit derzeit bis zu zehn Twitterern gründen, deren Nachrichten dann automatisch über die Homepage laufen. Das Problem: Dabei werden alle Nachrichten der Twitterer angezeigt, auch wenn sie ggf. mit dem Thema der Homepage nichts zu tun haben. Tweetizen verhandelt nach eigener Aussage derzeit mit Twitter, um die Zahl der möglichen Gruppenmitglieder zu erhöhen.


Die integrierte Tweetizen-Funktion auf louis-e.de

Die integrierte Twitter-Funktion
Die Nutzung der integrierten Twitter-Funktion ist noch nicht ganz optimal, allerdings ist die "embed-Funktion" auch erst zwei Wochen alt. Grundsätzlich muss man Tweetizen den Zugriff auf den eigenen Twitter-Account gewähren, damit die Nachrichten upgedated werden können. Beachten sollte man dabei zwei Eigenheiten:
  1. Man muss sich vorher bei seinem Twitter-Account anmelden, eine Twitter-Anmeldung über Tweetizen funktioniert derzeit (bei mir) noch nicht.
  2. Nach dem Gebrauch der Twitter-Funktion über das Widget reicht es nicht, sich nur von seinem Twitter-Account abzumelden, sondern man muss sich zusätzlich über das Widget abmelden. Dafür gibt es im Widget einen Logout-Button. Andernfalls kann man über Tweetizen weiterhin Nachrichten hinterlassen, selbst wenn man sich vom regulären Twitter-Account abgemeldet hat.
How to: Embed und Stylesheet
Sobald man in Tweetizen einen Stream gefiltert oder eine Gruppe gegründet hat, spuckt Tweetizen einen Embed-Code aus, den man in seine Homepage an einer beliebigen Stelle integrieren kann (z.B. ein eigenes Template im Blog).

Anschließend kann man die CSS-Angaben von Tweetizen in sein Stylesheet kopieren und anpassen, wobei ich einige Stunden gebraucht habe, um durch das reichlich zerflückte Sheet durchzusteigen.

Zu Tweetizen siehe auch Mashable.

Von Titelhelden und Verlagsdramen

Montag, 6. April 2009 - Kategorie: Publizieren

Während sich die digitale Boheme auf der re:publica in Berlin amüsierte, musste ich in Frankfurt einen mittelschweren Schock verkraften. Auslöser war in diesem Fall weniger die Stadt, als vielmehr ein Fachmagazin namens "Publishing Praxis", das mich mit seinem Cover-Titel "Top-Ideen für Web2Print" energisch anblinkte. Beim Durchblättern dieser "Top-Ideen" blieb ich schließlich bei einem User-Generated-Magazin-Framework hängen, das im Oktober 2008 unter dem schönen Namen "Titelhelden" ins Netz gegangen ist. Der Schock: Urheber des Web-Angebots ist ausgerechnet die Deutsche Post, also ein tendenziell uncooler Großkonzern. Noch schlimmer: Das Webangebot wurde nicht von einer strategischen Web7.0-Marketing-Task-Force entwickelt, sondern basiert auf dem Einfall einer "ganz normalen" Mitarbeiterin. Offenheit und Innovationsfreude, die man einem Großkonzern kaum zusprechen mag. Immerhin, die umsetzende Agentur People Interactive aus Köln entspricht halbwegs dem "Coolness"-Klischee, falls das bei der Bewertung der Sachlage weiterhilft...



Nun zum Angebot: Unter "Titelhelden" kann der User sein eigenes Magazinprojekt anlegen, dafür vorbereitete Layouts nutzen oder eigene erstellen und schließlich sogar kollaborativ arbeiten, also ein Redaktionsteam zusammenstellen. Druck und Distribution übernimmt die deutsche Post und ein Blick auf die Preisliste schaut für Kleinauflagen durchaus akzeptable aus. Die "Magazin-Macher-Plattform" arbeitet frontend auf Flash-Basis und backend mit einer SQL-Datenbank. Einen gute Überblick über das Angebot liefert die Guided Tour auf der Introseite von Titelhelden.

Auch wenn mich das Post-Branding nicht unbedingt anmacht, kommt dieses Konzept dem Vorschlag für ein Blog2Mag-Projekt sehr nahe (hier oder hier). Zwar gehen Umsetzung und Adressatengruppe in eine andere Richtung, als mir vorschwebte. Wichtiger ist jedoch, dass Titelhelden zwei extrem hippe und heißgeliebte Konzepte aus den USA verbindet: Der User-Generated-Mag-Gedanke von 8020Publishing (u.a. JPG) und der Magazin-Print- und -Distributionsservice von Magcloud. Fehlt nur noch das Community- und Marketing-Konzept für PDF-Magazine von Issuu.

Dass nun ausgerechnet die Post diesen Schritt macht, sollte das Urteil erst einmal nicht trüben. Allerdings geht dadurch die Ausrichtung zumindest an meinen Interessen vorbei: "Titelhelden" und die "anlassbezogenen Magazine" sind hauptsächlich für Vereine und Privatleute (Hochzeits- oder Urlaubsmags etc.) angelegt. Eine hierzulande eher typische Ausrichtung, denn Mitmach-Konzepte adressieren fast immer den Amateur-Bereich und streben selten einen vermarktbaren Output an - womöglich ein Tribut an die tendenziell obrigkeitshörige und konservative Wirtschaftskultur des Landes (man vergleiche die Erfolge von BoD-Produkten oder Handy-Romanen in den USA oder Japan).

Dennoch sollten solche Konzepte auch im professionellen Bereich irgendwann Eingang finden: Und zwar als ein neuer Verlagstyp, der nur noch das technische Framework zur Verfügung stellt und die eigentlichen inhaltlichen und verlegerischen Arbeiten von (professionellen) Usergruppen erledigen lässt. Die Blogsphäre, in der noch am ehesten professionelle und originäre Inhalte abseits der etablierten Verlagswelt zu finden sind, sollte hier ein wichtiger Adressat sein. Und die Integration bestehender Web-Inhalte über einen XML-Import in einen solchen Verlags- bzw. Magazin-Framework wäre ebenfalls ein Muss.

Wer bei diesen Gedanken die "Spinner"-Glocke leutet, verkennt die Realitäten in Teilen der Verlagswelt: Es gibt inzwischen einige traditionelle Verlage kleiner und mittlerer Größe, die nach einer Outsourcing-Orgie nur noch dem Verlagsleiter eine Festanstellung zugestehen. Alle Arbeiten bis zur Drucklegung werden hingegen von Externen erledigt. Der Verlag stellt bei diesem Modell weiterhin die Distributionskanäle und - vielleicht das entscheidende Element - die "Marke" zur Verfügung. Zu dieser überlebenswichtigen Leistung gibt es bislang noch kein überzeugendes usergetragenes Modell, wobei ich meine, dass der kürzlich vorgestellte Gründungsvorschlag in die richtige Richtung geht und zumindest Ansätze eines markenbildenden und kundenbindenden Systems aufzeigt.

Also: Technisch und organisatorisch wäre dieser neue Verlagstyp ("Framework-Anbieter") eher ein kleiner Schritt, der große Schritt passiert in den Köpfen der User und Käufer. In nicht allzu ferner Zukunft wird ganz sicher jemand diesen Step wagen, ich hoffe nur, dass es dann nicht die Telekom ist ...

Prezi is going public!

Mittwoch, 1. April 2009 - Kategorie: Informieren

Das budapester Startup ZuiLab hat per Mail mitgeteilt, dass der Präsentationsdienst "Prezi" am 5. April öffentlich zugänglich wird. Prezi ist eine online-basierte Präsentationssoftware, mit der man sehr leicht effektvolle und ansprechende Präsentationen erstellen kann. Anders als bei Power-Point arbeitet man nicht über eine vordefinierte Präsentationsfläche. Stattdessen kann man Elemente völlig frei positionieren und den Betrachter über Zoom-Pfade durch die Präsentation führen. Die Beispielpräsentationen machen für meinen Geschmack etwas zu starken Gebrauch von den Zoom- und Dreh-Funktionen, man kann das ganze jedoch auch sehr dezent einsetzen. Hier ein kleiner Video-Ausschnitt zum Thema "Text einfügen in Prezi":



Weitere Tutorial-Videos findet man bei youtube oder auf der Homepage von prezi.

Soweit aus der Mitteilung ersichtlich wird Prezi eine Art Fremium-Dienst: Man kann drei Präsentationen im Trial-Mode kostenlos erstellen, anschließend muss man einen Premium-Account erwerben (Preise noch nicht bekannt). Für Leute, die häufiger mit Präsentationen arbeiten, sollte sich die Investition lohnen: Zu meiner Beispiel-Präsentation gab es von Web- und Marketing-Nerds genauso wie von Branchenfremden absolut positive Feedbacks.

Auf Prezi hat ursprünglich netzwertig aufmerksam gemacht.

Die Twinnwand: Wie mir Twitter gefallen könnte

Sonntag, 29. März 2009 - Kategorie: Informieren

Nun also doch ein Posting über Twitter, obwohl ich mich dem Trend mit aller Macht entgegen gestemmt habe. Ganz gebrochen ist der Damm jedoch noch nicht - doch er könnte, und zwar mit folgender Funktion:



Also: Eine private Twitter-Gruppe zum Thema der eigenen Homepage gründen und diese Twitter-Gruppe samt Twitter-Funktion in die eigene Webseite einbinden. So könnte man nicht nur die Zielgruppe wunderbar binden, sondern dem Leser auch eine universelle Pinnwand-Funktion geben: Nie wieder bei irgendwelchen Schrebergarten-Foren anmelden, tausend Passwörter verwalten und dann doch wieder vergessen. Einfach Gruppenmitglied werden und loslegen.

Leider hält sich Twitter mit Gruppenfunktionen ziemlich zurück. Eine Übersicht über Drittanbieter hat neulich Mashable zusammengestellt. Ein Kommentator verweist dabei auf den Anbieter Presently, der sich eher auf die nicht-öffentliche Business-Variante konzentriert (toll für die Unternehmenskommunikation!) und dabei auch einen Eigenbetrieb anbietet. Ob die Nutzer damit jedoch einen universell einsetzbaren Account erhalten, der am besten auch mit Twitter funktioniert (laut Homepage gibt's ne Api) - ich weiß es nicht.

Fest steht für mich aber: Wie beim Bloggen schon lange geschehen müsste der nächste Twitter-Schritt die Dezentralisierung sein...

Vom Blognetzwerk zum Themenportal: Ein Gründungsvorschlag

Montag, 23. März 2009 - Kategorie: Publizieren

In den letzten Tagen ist wiederholt das Themennetzwerk GLAM besprochen worden, und Upload stellt nun das GLAM-Prinzip als mögliches Erfolgsmodell für die Blogszene dar. Das Rezept: Eine zentrale Themenwebseite, die von vielen dezentralen Themenblogs gefüttert wird, sowie ein eigenes Werbenetzwerk, von dem alle profitieren.



Jan Tißler hat sich auf Upload offenbar schon sehr früh (2007) Gedanken um ein Blognetzwerk gemacht, ich selbst habe vor gut einem Jahr begonnen, ein Konzept für eine Nischenplattform zu entwickeln. Anlass war damals das RSS-Tool Simplepie (bzw. magpie), mit dem Blogger ihren eigenen Lifestream basteln konnten. Über dieses Tool - so der Gedanke damals - könnte man die Nachrichtenaggregation extrem vereinfachen und redaktionell betreute Streams entwickeln, die einem professionellen Anspruch genügen. Hinzu kam die Idee, Stellenanzeigen aus den einzelnen Themenseiten in ein gemeinsames Jobportal zu aggregieren, um so von Traffic und Reichweite gemeinsam zu profitieren. Da Fremdinhalte auf Dauer zu wenig sind, kamen schießlich noch ein paar Ideen für originäre Inhalte hinzu. Quasi als Dummy entwickelte sich daraus mein Biotech-Blog - und ein paar Investorenkontakte bahnten sich ebenfalls an.

Mitgründer- und Investorensuche blieben jedoch letztlich ergebnislos, daher stelle ich die Idee bei passender Gelegenheit nun dahin, wo sie hingehört: ins Netz (dieser lapidare Satz wird den vielen hundert Arbeitsstunden vielleicht nicht ganz gerecht). Wer Lust hat, so ein Portal als Grassroot-Projekt mit aufzubauen, melde sich einfach.

Nebenbei ist der folgende Link übrigens auch eine nette Demonstration des Präsentationstools Prezi (ein Klick auf das Bild startet die Präsentation):

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