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Blogst du noch oder Magst du schon?

Freitag, 20. November 2009 - Kategorie: Informieren

Das gesamte Netz befindet sich im Moment aus meiner Sicht in einer sehr spannenden Umbruchsphase: Empfehlersysteme wie Twitter verändern das Informationsverhalten, Aggregationssysteme wie twittertim.es oder rivva zeigen möglicherweise, wie in Zukunft dynamische Portale den Einstieg in die statische Content-Welt vermitteln könnten, und auch bei den statischen Inhalten ist die Experimentierfreude derzeit groß.

Das Smashing-Magazin hat gestern in einem großen Beitrag gezeigt, wie einzelne Blogger versuchen, ihre Inhalte auch gestalterisch zu individualisieren: Jeder Blogpost bekommt dabei ein eigenes Design. Das Blog selbst wird Magazin-ähnlicher und erinnert an klassisches Printlayout, ohne dabei auf die Vorzüge des Netzes zu verzichten. Vor allem für sehr hochwertige Inhalte finde ich das eine spannende Entwicklung, die in Deutschland auch schon das DMIG aufgezeigt hat, allerdings ohne die Individualisierung von Beiträgen:



Die Experimente von Dan Curtis zum Vergleich:



Beispiel für einen Beitrag:



Beispiel für einen zweiten Beitrag:



Klar, das ist die Designer-Brille und für den Leser erst einmal ungewohnt, vielleicht auch nicht so Funktional wie übliche Blogs. Doch wenn in Zukunft der Trend tatsächlich eher zu dynamischen Aggregationsportalen als Einstieg geht, könnte man sich die Freiheiten bei den "statischen Präsenzen" vielleicht erlauben? Eine spannende Experimentiererei ist es auf jeden Fall...

via dem Delicious-Feed von Anmut und Demut

Aktion "Blogstars" und Leserpreis 2009

Dienstag, 17. November 2009 - Kategorie: Informieren

Zwei kleine Aktionen, die hier promoted werden wollen: T3N startet vom 16. bis 23 November die Aktion BL★GST★RS. Gesucht werden deine fünf Lieblings-Blogs und Twitterer zum Thema Entwicklung. Da ich selbst kaum Entwicklerblogs lese, kann ich mich nicht beteiligen, aber angesichts der vielen Preise empfehle ich es gerne weiter:



Die zweite Aktion stammt von Lovely-Books, dort sucht man derzeit einen Kandidat für den Leserpreis 2009. Die Vorschlagliste ist bereits geschlossen, jetzt kann man aus den 860 nominierten Büchern seinem Favouriten noch bis zum 13. Dezember ein Vote schenken. Unter den Stimmabgaben werden dann ein paar Bücherpakete verlost. Hier geht's zur Aktion



Zusatzinfo von Moritz von Lovely-Books:

"Jeden Tag um 17 Uhr geben wir ja die Zwischenergebnisse der Votings im Blog bekannt. Als Dankeschön für die Abstimmung haben wir jetzt sogar noch Sponsoren gefunden, die uns tolle Preise stiften. Die Preise verlosen wir mehrmals wöchentlich unter allen Votingteilnehmern."

Fänd ich gut: twittertim.es für Wordpress

Montag, 16. November 2009 - Kategorie: Publizieren

Personalisierung ist derzeit Trumpf: Heute startet Niiu mit seiner personalisierten Holzzeitung, doch schneller war mal wieder das Netz: Vor wenigen Tagen ist der Dienst twittertim.es online gegangen, der aus Twitterlinks eines Accounts ein personalisiertes Webmagazin baut, d.h. die in Twitter verlinkten Inhalte direkt nutzt:



Ganz verkneifen kann ich mir den Hinweis auf den guten Ratschlag an Nachrichten.de an dieser Stelle leider nicht ;-)

Einen anderen Ansatz hat vor einiger Zeit readtwit gewählt, über das sich aus den Twitterlinks eines Accounts zwar kein Magazin, wohl aber ein RSS-Stream erstellen lässt. Besonders interessant: Man kann User oder Hashtags filtern und damit den Output recht gut steuern.



Auch ohne diesen kleinen Wunschzettel wird ein twittertim.es-ähnliches Wordpress-Plugin sicher nicht lange auf sich warten lassen, denn damit könnte Wordpress endlich Anschluss zum Lifestreaming finden und auch Blog-Diensten wie Posterious etwas Glammer abluxen.

Was mich interessieren würde wäre vor allem:
  1. Filter- und Gruppenmöglichkeiten, sodass mehrere Twitterer ein Mag befüllen könnten,
  2. Die Ansprache bestimmter Kategorien, zum Beispiel eines Kalenders, eines Job-Bereichs etc. Das Tool Doppler macht es einem z.B. möglich, die Veranstaltungseinträge auch bequem per Twitter per Code zu befüllen.
Hintergedanke sind meine Erfahrungen mit Nachrichtenblogs: www.louis-e.de habe ich vor Monaten trotz relativem Zuspruch aufgegeben, weil die Befüllung schlicht zu zeitintensiv war. Könnte man Twitter als Quasi-Redaktionstool dazwischenschalten und ein Mag auch per Gruppe befüllen, wäre der Arbeitsaufwand drastisch gesenkt. Damit könnten kleine Nischen eine tolles Tool an die Hand bekommen, leserorientierte Magazin-Oberflächen ohne großen Aufwand kollaborativ zu befüllen. In kleinen Branchen, die sich ihre Öffenltichkeit selber schaffen müssen (so war's bei louis-e) und es praktisch kein zentrales Publikationsorgan, keine zentrale Veranstaltungsliste und praktisch keine journalistischen Inhalte gibt, sehe ich da durchaus Bedarf.

Ich rechne mal mit vier Monaten, bis so ein Plugin auftaucht ...

Review zu Titelhelden im DIYG

Montag, 16. November 2009 - Kategorie: Informieren

Im DIYG gibt's eine kleine Review zu den "Titelhelden", ein Online-Magazin-Editor der Deutschen Post, meines Wissens der einzige Online-Editor dieser Art. User können auf der Plattform Druckvorlagen für Print-Magazine online und kollaborativ erstellen. Die Titelhelden sind zwar schon ein Jahr alt, wurden aber vor wenigen Wochen einem Relaunch unterzogen. Hier geht's zur Kurz-Revue.

The Do-It-Yourself-Guide to Publishers

Dienstag, 10. November 2009 - Kategorie:

Da ich mit www.schreibermag.de noch eine Domain übrig hatte und mal etwas Neues ausprobieren wollte, habe ich unter dem Titel "The Do-It-Yourself-Guide to Publishers" einen sehr einfach gehaltenen Gemeinschaftsblog aufgesetzt:



Da einige Blogger und auch Verlagsexperten das Thema "Selfpublishing" zunehmend umtreibt und auch schon viele sehr gute Beiträge dazu verfasst wurden, wäre es m.E. interessant, das Wissen zu sammeln und eine Art Guide zu entwickeln, der dann wiederum zu einem Print-Buch reifen kann. Als Themen nenne ich mal: Mikis, der Community-Verlag von JPG, FastPencil, BoD-Verlage, Tabbloid & Co, PDF mit PHP, XML in Word usw.

Jeder, der sich beteiligen möchte und zum Thema etwas vorweisen kann, wird als Autor freigeschaltet und kann dann nach "gutdünken" schalten und walten. Grundsätzlich denke ich vor allem an die Übernahme und Aufarbeitung von bereits bestehenden Beiträgen, aber natürlich sind auch Neubeiträge sehr willkommen. Jeder Autor kann natürlich fleißig Eigenwerbung (Banner) betreiben und wird - in Erwartung eines künftigen Bestsellers - natürlich an den künftigen Einnahmen gleichberechtig beteiligt ;-)

Die Beiträge werden nicht nach der Timeline, sondern nach Kategorien gelistet, der Blog ist also eine Art digitale Loseblattsammlung, die auf eure Ergänzungen wartet.

Ich freue mich über Mitstreiter...

Vom Blog zum Buch mit Fastpencil

Dienstag, 10. November 2009 - Kategorie: Publizieren

Seit Ende Juli 2009 gibt es einen neuen Mitspieler im kleinen Kreis der Selfpublishing-Tools: PastPencil ist in dem verschlafenen Örtchen Campbell des Sonnenstaates Californien beheimatet und kann durchaus für frischen Wind bei Buchmachern sorgen. Denn die Publisher-Plattform hat eine entscheidende Neuerung: Man kann Inhalte aus dem Web per Mausklick integrieren und anschließend in der Plattform auch editieren. Wer also seine Inhalte ohnehin online erstellt und zum Beispiel einen Blog betreibt, kann mit wenigen Mausklicks seine Beiträge in ein Buch verwandeln. Damit könnte FastPencil den künftigen Weg beschreiben, der von der Texterfassung über den Import, das Editieren, die Gestaltung bis hin zum Publizieren die gesamte Entstehungskette bedient.

Wie es funktioniert
Nach der Registrierung kommt man zu seiner persönlichen Verwaltungsoberfläche und kann direkt loslegen: Nicht weniger als 12 verschiedene Möglichkeiten der Bucherstellung stehen bereit, vom Kochbuch über persönliche Memoiren bis hin zu einer eher kuriosen Variante: Klassiker wie Bram Stoker's Drakula einspielen und einfach mal versuchen, es noch besser zu schreiben (an Dostojewskijs Schuld und Sühne kann man sich ebenfalls versündigen).

FastPencil

Blogger wird eine Funktion besonders freuen: "Turn your blog into a book". Damit lassen sich Bloginhalte per RSS oder direkt von der Homepage in die Plattform integrieren, die Anforderung von Passwort und Username schützen dabei vor Content-Klau. Schon beim Einspielen vermeidet die Plattform die Unzulänglichkeiten der Konkurrenz: Man kann nicht nur die Zeitspanne für die Beiträge angeben, sondern zusätzlich die Beiträge für den Import einzeln auswählen.

FastPencil

Einmal importiert können die Chapter sortiert und - wohl der größte Vorteil der Plattform - auch einzeln editiert werden. Mag sein, dass die ein oder anderen Tools zum Editieren noch ausbaufähig sind. Für die Umwandlung von Blogs in Publikationen gibt es derzeit jedoch keine Plattform mit vergleichbar umfassenden Funktionen auf dem Markt.

FastPencil

Neben diesen Kernfunktionen bietet FastPencil noch diverse Zusätze: Kapitel können kollaborativ bearbeitet werden, wobei zwischen zwei Rechten unterschieden wird: Reviewer, die Kommentieren dürfen und Editor, die eingreifen können. Es gibt einen Market-Place, in dem sich Editoren, Layouter oder Autoren treffen (also ein ähnliches Community-Modell wie bei Tredition.de).

Das Geschäftsmodell
Beim Geschäftsmodell verfolgt FastPencil den bekannten Weg der kostenpflichtigen Publikation, den Verkauf von Zusatzleistungen und die Beteiligung am Erlös. Die Grundpreise staffeln sich wie folgt:
  • Minimum ist eine Privat-Publikation zu Herstellerkosten (Print-Buch), die über einen Kalkulator abgefragt werden können, oder 9.99$ für ein ePUb oder PDF-Format.
  • Eine Publikation innerhalb des Marketplace kostet 19.99$
  • Eine Publikation mit ISBN und Distribution über Amazon & Co. kostet als Print- und E-Book 99.99$ oder 59.99$ in jeweils nur einem Format.
Offensichtlich hofft die Plattform auch auf einen Verkauf der Bücher, an dem sowohl der Autor mit einem Honorar, wie auch Fastpencil mit einer Provision beteiligt sind. Dabei wird grundsätzlich unterschieden, ob ein Buch nur privat über den FastPencil-Marketplace verkauft wird, oder ob das Buch eine ISBN erhält und auch außerhalb der FastPencil-Mitgliedschaft erworben werden kann.

Bei einem privaten Verkauf werden zunächst die Produktionskosten abgezogen, von dem Autorenhonorar wird Fastpencil mit einer Provision von 25% beteiligt.

Bei einem öffentlichen Verkauf über fremde Plattformen wie Amazon & co. erhält der Buchhandel den üblichen Anteil von 40% des Buchladenpreises, der auf den Basispreis (Herstellungskosten + Autorenhonorar + FastPencil-Anteil) aufgeschlagen wird. Erfolgt der Verkauf über den FastPencil-Marktplatz, werden diese 40% zwischen dem Autor und FastPencil aufgeteilt, und zwar wiederum 75% für den Autor und 25% für FastPencil.

Eine letzte Einnahmequelle der Plattform sind freiwillige Servicepackete rund um die Buchpublikation, die mit bis zu 999$ zu Buche schlagen können.

Schaut man sich das Konditionengefüge an, kann man den Service Fairness bescheinigen. Vermutlich werden schon in die Herstellungskosten ein gewisser Prozentsatz für die Plattform einberechnet, grundsätzlich dürfte die Plattform jedoch mit den Basispreisen für den Publikationsservice seine Fixkosten abdecken. Das der Service nicht grundsätzlich kostenlos ist, kann als offene Politik bewertet werden: Dass Publikationsdienste nicht mehr kostenlos sind und im Zweifelsfall vom Verlag quersubventioniert werden, sollte für Autoren einsichtig sein. Wer auf einen Bestseller hofft, wird wohl ohnehin zu einem klassischen Verlag gehen, denn die Buchpreise von derartigen Verlagsmodellen können durch die hohen Produktionskosten ohnehin nicht mit hochauflagigen Büchern konkurrieren.

Fazit
Insgesamt finden sich bei FastPencil viele gute Ansätze wieder, die hierzulande bereits Tredition ausprobiert hat: Das transparente Konditionengefüge, die Preisgestaltung durch den Autor, die angehängte Community etc. Die Stärke von FastPencil liegt jedoch sicher darin, dass es sich nicht mit einer Verkaufsplattform begnügt, sondern den Autoren erstmals vom Schreiben über das Editieren bis zum Publizieren alle nötigen Tools an die Hand gibt und dabei auch die Bedürfnisse einer nicht zu verachtenden Publisher-Gruppe berücksichtigt: die Blogger. Ein Manko ist sicherlich noch, dass keine eigenen Templates entwickeln werden können und damit dem gestalterischen Spielraum Grenzen gesetzt sind. Insgesamt wird mit Fastpencil jedoch ein Tor zu einer umfassenden Publikationsplattform geöffnet.

Live-Voting mit Twitter und Power-Point

Montag, 26. Oktober 2009 - Kategorie: Informieren

Vielleicht kennt ihr das Problem: Ihr haltet einen Vortrag, eine Lesung oder sonstwas und würdet gerne ein Live-Feedback einsammeln, das über den üblichen (?) Applaus hinausgeht und auch inhaltliche Anmerkungen erlaubt. Doch welche Tools bieten sich dazu an? Genau diese Frage stellte sich mir, nachdem ich mich am vergangenen Donnerstag erstmals für ein Barcamp (Hamburg) angemeldet hatte und dort eine Session vorschlagen wollte: "Ideenschmiede 140x140": 140 Sekunden für die Vorstellung einer Idee, anschließend 140 Zeichen für das Publikumsfeedback (per Twitter).

Und wer hätte das gedacht: Nach einiger Recherche bin ich tatsächlich auf ein perfektes Tool für solche und ähnliche Live-Sessions gestoßen (ganz unten vorgestellt):

Umfrage-Tools für Twitter
Allgemeine Umfrage-Tools für Twitter gibt es eine ganze Menge: Das bekannteste ist sicher twtpoll.com, über das man mit wenigen Clicks eine Umfrage aufsetzen kann:



Twtpoll greift für die Umfrage selbst jedoch nicht auf Twitter zurück, sondern nutzt twitter nur als Werbetool, um Twitteruser auf die Umfrageseite zu leiten. Die Umfrage selbst findet dann auf twtpoll oder - embedded - einer beliebigen anderen html-Seite über klassische Formulare (Multiple-Choice etc.) statt. Echte Live-Umfragen dürften mit twtpoll eher umständlich sein.

Neben twtpoll gibt es eine Reihe anderer Tools, die ein ähnliches Prinzip verfolgen, zum Beispiel pollpigeon.com oder PollDaddy.com.

Profi-Tool Poll Everywhere
Im Web bin ich nur auf ein einsames Tool gestolpert, dass sich genau auf diese Form der Live-Umfrage konzentriert: Poll Everywhere mit seinem Live Audience Polling. Ich habe die Seite nicht getestet, da sich das Angebot (auch preislich) doch eher an Profis richtet. Dafür bietet es einige Vote-Möglichkeitenl, wie z.B. SMS, Twitter oder direkt per Web. Für größere Konferenzen etc. also sicher perfekt, für den kleinen Hausgebrauch jedoch möglicherweise etwas überdimensioniert:



Live-Voten mit Twitter und Power-Point
Schließlich habe ich dann doch noch ein ganz aktuelles, extrem simples und schlicht geniales Tool für Live-Umfragen gefunden: Im Oktober hat das SAP-Urgestein Timo Elliot eine freie Power-Point Anwendung bzw. schlicht eine um Flash erweiterte PPT-Präsentation als Beta-Version veröffentlicht, über die man sehr einfach diverse vorgefertigte Auswertungscharts nutzen kann. Darunter finden sich Balkendiagramme, Stimmungsmesser, Applaus(Geräusch-)messer etc. Für die Abstimmung selbst greift das Tool auf Tweets und frei festlegbare Codewörter zurück. Besonders schön ist, dass man die Power-Point-Charts beliebig zusammenstellen und nach der Umfrage eben auch abspeichern und verteilen kann (da die Charts live immer wieder neu generiert werden, gehen die Ergebnisse natürlich nach einiger Zeit verloren).

Ich hab mal ein kleines Filmchen gedreht, um die Einfachheit der Anwendung zu demonstrieren. Auch wenn die Ideen-Session beim Barcamp nicht durchkommt, wird sich sicher bald eine Gelegenheit finden, das Tool einzusetzen:



Zur Beschreibung auf der Privatseite von Timo Elliott geht's hier: timoelliott.com, zum Download des Tools geht es hier: sapweb20.com.

Wer noch andere Möglichkeiten kennt: ich freue mich auf Tipps in den Kommentaren...

Empfehleraktion "Ein Herz für Blogs" Teil 2

Freitag, 16. Oktober 2009 - Kategorie: Informieren

Für digitale Schrebergärtner wie mich ist die Aktion "Ein Herz Für Blogs" vom Stylespion immer eine gute Gelegenheit, mal einen Blick über den doch recht eng gesteckten Bloggerzaun zu riskieren. Mal sehen, ob auch ich dazu etwas beitragen kann...



Meine Favblogs möchte ich hier weder erneut vorstellen, noch komplett übergehen, daher hänge ich unten eine kommentarlose Liste an, nachdem ich zuvor ein paar alte und neue "Perlen" vorstelle:

Souvenier aus Tokyo
Wer bei den Peanuts an Charly Brown und Snoopy denkt, vergisst dabei Hideyo & Tsukiko Ito. Eine ganz große Nummer waren die beiden Schwestern in den 60er und 70er Jahren, als Sie mit ihrem Heimat-, Folk- und Bossa-Sound nicht nur die Film-Musik zu Mothra verbrochen haben, sondern - von Caterina Valente entdeckt - an der Seite von Johannes Heesters und Freddy Quinn auch die deutsche Schlagerszene beglückten -- fraglos mit unfassbarem Kitsch. Leider wurde ein Video, dass die beiden unter dem Kölner Dom und im belgischen Viertel der sechziger Jahre zeigt, auf Youtube gelöscht, doch in gut sortierten Plattenläden findet man auch heute noch ab und zu deren Singles, wie eben ein "Souvenier aus Tokyo".

Nun war ich selbst noch nie in Japan, habe mich aber eine zeitlang als Hobby-/Trash-DJ für japanischen Shibuya-, Showa- und Beat-Sound verdingt. Aus dieser Zeit stammen meine ältesten Abos von Blogs, die von drei Expats in Tokyo betrieben werden:

Den subversiven Sinn des Blognamens jeans(-)now(!) habe ich erst nach Monaten (und einem Blick ins Impressum) als jean(-)snow entschlüsselt. Ich selbst verfolge dessen Blog inzwischen zwar nicht mehr, da ein Tokyo-Urlaub in weiter ferne liegt. Wer jedoch einen Tripp dorthin plant, kann sich in diesem Blog über die echten Insider-Tipps der Tokyoter Design-Szene informieren.


Zu den engen Freunden von Jean gehört David Marx, der früher unter neomarxisme und heute unter neojaponisme zu verfolgen ist. David ist Berufsintellektueller und Fundamental-Musik-Kritiker, der - wie so viele - schwer an der Implosion der Shibuya-Szene gelitten hat (deren bekannteste Vertreter Pizzicato Five sind), und einige phantastische Retrospektiven über diese speziell japanische Musikbewegung beisteuerte. Vermutlich auch heute noch sehr lesenswert.


Wesentlich kompromissbereiter in Sachen Musik ist chipple.net, bei dem ich auch heute noch ab und zu auf die agenda schaue, um nicht möglicherweise eine neue, spannende Musikbewegung aus dem fernen Land zu verpassen. Aktuell ist da allerdings - soweit ich sehe - wenig zu befürchten...


Aus dem heimischen Anbau ...

Trotzendorff hat eigentlich gar nicht so übertrieben viele Inhalte in seinem Blog, was ich manchmal bedaure. Das ganze Blog ist jedoch dank der Aufmachung, der tollen Texte und vor allem der Vernetzung in eine mir eher unbekannte Sophisticated-Blogger-Szene ein Quell großer Freude. Leider fehlt mir schlicht die Zeit, mich näher mit dem Umland von Trotzdendorff zu beschäftigen ...


Eines von vielen Blogs, dass in meinem Feedreader schlummert, ohne, dass ich wirklich zum lesen komme, ist die überschaubare Relevanz. Daher kann ich auch garnicht wirklich sagen, ob das Blog gut oder schlecht ist, ich möchte nur sagen, ein Blick zu riskieren muss nicht schaden...


Ebenso verhält es sich mit dem Blog Orange Topic, das zudem designtechnisch eine echt Augenweide ist und auch mit einem recht bunten Themenmix gefällt. Sobald die Technik ausgereifter ist, werde ich mich klonen, um diese ganzen Blogs entsprechend zu würdigen.


Für die allgemeine Netzbildung seien u.a. an's Herz gelegt

Stationäre Aufnahme (Pharma), Upload (Publishing/Netz), bwlzweinull (Medien/Politik/Netz), LeanderWattig (Verlage/Netz), wortgefecht (Marketing/Netz), Hugo E. Martin (Verlage/Netz), Publishing Business (Verlage/Netz), Dr. Weblog (Webdesing/Netz), texto (Wordpress/Netz), Netzwertig (Netz/Netz), Deutsche Startups (Startup/Netz).

Mathe, Bücher, Teil 1.

Mittwoch, 14. Oktober 2009 - Kategorie: Schreiben

Schatten.
„Herrschaften! So geht das aber nicht! Es kann doch nicht sein, dass ihr es immer noch nicht begriffen habt, wo wir doch seit Wochen nichts anderes üben, wieder und immer wieder!“. Wie der Speichel von Pawlows bestem Freund durchtränkte dieser Satz unsere Synapsen immer dann, wenn wir auf den Fluren unseres Kleinstadt-Gymnasiums den Mathematik-Lehrer herbeieilen sahen – mit energischem Schritt, einem rot-weißen Signalmuster, das symptomatisch durch Bluthochdruck und einem Mangel an Melanin, ursächlich jedoch durch ein Übermaß an mathematischen Formeln und pädagogischen Sorgen hervorgerufen wurde, während der zitternde rechte Arm wie ein Seismograph die aufgebrachte Stimmung in den vormals geradlinigen Stapel der schwarzöligen Klassenhefte Marke Pelikan zeichnete, die ihren Schrecken übrigens bis heute nicht verloren haben und seit den Abiturfeierlichkeiten in den tiefen Mulden eines schweren Eichenschreibtisches fast 500 Kilometer von meinem derzeitigen Standort ruhen, des Nachts bisweilen jedoch ihrer Gruft entsteigen, um im trübe flackernden Licht der Erinnerung einen kralligen Schatten an die Mauer der Verdrängung zu werfen, der tagsdrauf in Form eines leicht pelzigen Geschmacks beim schwarzen Morgenkaffee nachzuklingen pflegt. Nur ein einziges Mal, und da mag mich die Erinnerung an längst vergangene Zeiten sogar täuschen, nur ein einziges Mal hat der Lehrer dieses Mantra durchbrochen, selbst überrascht von einem statistisch signifikaten Ausschlag, der den ansonsten „hauptschulreifen“ Klassendurchschnitt positiv verfälschte.

Teil 2 folgt.

Zwei Korrektorenbörsen im Web

Montag, 5. Oktober 2009 - Kategorie: Informieren

Es scheint derzeit Mode zu sein, Text- und Kreativarbeiter mit neuen Auftragsportalen zu beglücken. Zwei dieser Börsen haben nun den bislang noch jungfräulichen Korrektoratsbereich im Blick:

1. mytextguru.com
MyTextguru hat das Prinzip der Übersetzerplattform "Tolingo" auf die Korrektorenbranche übertragen: User können Texte hochladen und einer Kategorie zuordnen, anschließend spuckt die Maschine eine Kostenkalkulation aus. Als ich im August einen Probetext hochgeladen habe, ergab sich ein Honorar von ca. 6,90 pro Normseite. Eine Normseite umfasst laut dem Lektorenverband VFLL ca. 1.500 bis 1.650 Anschläge (also inkl. Leerzeichen), der Verband empflieht 5,30 bis 8,90 pro Normseite (siehe PDF Honorarempfehlungen), falls denn überhaupt nach Normseite und nicht nach Pauschale abgerechnet wird. Textguru liegt also erst einmal im Rahmen der Empfehlungen, was mit Blick auf Dumping-geächtete Auftragsbörsen im SEO-Text-Bereich durchaus erfreulich ist. Es bleibt allerdings beim Textguru die Frage, wie viel Provision der Betreiber einbehält.

Photobucket

Auf welche Lektorenpools die Börse zurückgreift, ist nicht bekannt, so kann man auch über Qualität und Zuverlässigkeit erst einmal keine Vermutungen anstellen. Macher ist ein gewisser Christoph Helmes, der nicht aus der Verlagsbranche kommt, was allerdings kein Hindernis sein muss.

Lektornet
Wie Deutsche Startups gerade meldet, haben zwei Gründer das o.g. Konzept nun noch einmal kopiert und leicht modifiziert ins Rennen geschickt. Das Portal nennt sich "Lektornet", bietet eine "professionelle Schlussredaktion" an und greift laut Eigenaussage auf ein "Pool-Team aus Germanisten und Journalisten" zurück. Ersteres Klingt für mich eher nach Studenten, was aber durchaus auch bei manchen Verlagen usus ist. Die Preise liegen zwischen 5,99 und 12,99, nach den Staffelungsbereichen zu urteilen (Von "Unterhaltung" über "Mode" bis "Special Interest") scheint man eher Magazine und Tageszeitungen im Blick zu haben.

Photobucket

Den Kundennutzen beschreiben die Macher so: "Der Seitenpreis liegt weit unter dem Marktstandard und Ihre Fixkosten für Personal, IT und Redaktionsräume sinken". Na klar, Geiz ist Geil, Dumping allerdings etwas einfallslos, zumal es in diesem Fall auch nicht so ganz stimmt (zumindest im 'Benchmarking' mit dem VFLL). Man könnte es ja auch mal mit Qualität, Flexibilität und Zuverlässigkeit versuchen, und Outsourcing ist in der Branche nun auch nicht mehr ganz neu.

Nun gut, die Portale sind also relativ unspektakuläre "me-too"-Startups, in der von diesen Modellen bislang noch unbelekten Lektoren-Freelancer-Branche allerdings einen Versuch wert. Dass die Portale so spät kommen, mag einen Grund darin haben, dass es
1. keinen Mangel an Lektoren gibt,
2. zwischen Auftraggebern und Lektoren meist ein jahrelanges Arbeitsverhältnis besteht, sprich wenig Fluktuation,
3. es für Dumping in der ohnehin extrem niedrigpreisigen Branche kaum Spielraum gibt.
Aus all diesen Gründen müssen diese Portale schon ein extrem gutes und aktives Marketing betreiben, um Erfolg zu haben...

Wer übrigens einen Lektor oder Korrektor sucht, kann auch schlicht über die Datenbank des VFLL gehen (zugegeben, schlummert in den tiefen Eingeweiden des Netzes), oder das angestammte Portal: lektorat.de bemühen, das sich allerdings seine Einträge bezahlen lässt (oder zumindest ließ), was ich in dieser Branche ebenfalls etwas zweifelhaft finde ...

PS: Schlussredakteur, Korrektor oder Lektor?
1. Korrektoren - korrigieren Texte auf Orthographie, Grammatik und ggf. Stilistik.
2. Schlussredakteure = Korrektoren
3. Lektoren >= Korrektoren (wahlweise mit Schwerpunkt Stilistik): In Buchverlagen nennt man Lektoren auch häufiger Produkt- oder Programmmanager, nicht nur, weil es so schön wichtig klingt, sondern auch, weil Lektoren in Verlagen nur in Ausnahmefällen das Korrektorat übernehmen. Vielmehr initiieren, entwickeln und managen sie Medienprodukte und -programme, erarbeiten also Konzepte, stellen Kalkulationen auf, betreiben Autorenpflege, erstellen Marktanalysen etc. Wissen die meisten Branchenfremden leider nicht ...

Konzept - personalisierter Reiseführer Web2Print

Donnerstag, 1. Oktober 2009 - Kategorie: Publizieren

Nachdem der Verlagsberater F. Heinold in seinem Blog Web2Print-Lösungen eine Konjunktur nachgesagt hat, die Buchbranche freundlich um neue Geschäftsmodelle für elektronische Produkte bittet und Axel Springer für ein neues Medienprojekt (ok. sollte eher journalistisch ausgerichtet sein) schlappe 500.000 Euro auslobt, ist wohl der Zeitpunkt für eines meiner berüchtigten Startup-Modelle gekommen. Und heute geht's mal um Reiseführer! Zur Einführung:

PS: Sorry, ich hab keine Ahnung mehr, woher die Bilder sind. Urheber bitte melden, falls die raus sollen bzw. damit ich Copyright-Hinweise einbauen kann.

Also: Es geht darum, über ein weltweites, englischsprachiges Blog-(oder Typo3)-Netzwerk lokal und vor Ort Reiseführer zu erstellen. Über das Netzwerk kann sich dann der Leser einen auf seine Interessen abgestimmten Reiseführer zusammenklicken. Das heißt, ein D&G-Traveller klickt sich natürlich auch das Boutiquen-Special für Budapest mit rein, eine Mama das "Family-Special" für Lissabon etc. Über die vollautomatisierte Satztechnik, die das Unternehmen Gogol-Medien z.B. bereits bei den User-Generated-Magazins von MyHeimat einsetzt, können diese personalisierten Reiseführer anschließend in ein Buchformat eingespielt werden und dann über einen PoD-Verlag wie z.B. Tredition bestellt, gedruckt und geliefert werden. Natürlich muss es neben der Web- und der Printversion auch eine Mobile-Anwendung für das I-Phone geben, denn Mobile ist auch im Reisebereich in Zukunft King.
Man sieht also, sämtliche Techniken liegen auf der virtuellen Straße, sie müssen nur sinnvoll verbunden und genutzt werden.

Für die Interessierten noch ein paar Stichpunkte

Medienkonvergenz
Fasst alle Verlage haben in den letzten Jahren Unsummen investiert, um ihre Daten in XML zu konvertieren. XML ist das ideale Format, um Daten in verschiedene Medienformate zu nutzen. Inzwischen sitzen die Verlage auf ihren XML-Daten, nur fallen ihnen leider kaum Produkte ein, die das Potential von XML erschöpfend nutzen. Im Falle von Reiseführern wäre zudem reizvoll, über die Medienkonvergenz auch die verschiedenen Monetarisierungsansätze zu verbinden: Online-Werbung, Premium Account (Mobile) und Print-Verkauf (ggf. ebenfalls mit wechselnden Anzeigenkunden).

Individualisierung
Im Beitrag von F. Heinold gibt es ein paar Beispiele für personalisierte Produkte, z.B. Photobücher oder Kinderbücher, in denen die Namen der Titelhelden gewählt werden können. Meiner Meinung nach ist der Grad der Personalisierung lächerlich im Vergleich zu dem, was mit XML und Web2Print technisch möglich wäre. Reiseführer wären ein guter erster Anfang, um statische Inhalte auch für Print-Produkte zu dynamisieren. Aus meiner Sicht ist die Zeit dafür längst überreif.

Aktualität
Ebenfalls ein großer Vorteil von Web2Print, der bislang überhaupt noch nicht genutzt wird. Gerade Reiseführer leiden unter veralteten Daten, was in der heutigen Welt völlig unnötig erscheint. Wieso hier nichts passiert, ist mir schleierhaft.

Lokal und vor Ort
Ein allgemeiner Trend, der auch im Reiseführermarkt noch nicht so richtig angekommen ist: Die Autoren sind meist nur eine begrenzte Zeit im Land, echte Insider-Tipps und laufende Aktualität ist daher nicht zu erwarten. Der Schritt von InYourPocket, das Know-How von lokal ansässigen Autoren (Expats) zu nutzen, müsste eigentlich viel mehr Nachahmer finden.

Marketing
Der große Haken bei diesem Projekt: Die werbefinanzierte kostenlos-Variante von InYourPocket, die dann über eine hohe Auflage und einem breiten Verteilungsgrad gedeckt wird, fällt natürlich flach. Genauso fällt allerdings die Buchhandelspräsenz klassischer Reiseführer flach. Ob man einen Reiseführer tatsächlich nur über Online-, Social-Media-Kampagnien und ggf. Flyer-Werbung am Point-of-Interest verkaufen kann? Ein Versuch wäre es m.E. wert.

Soweit also mein kostenloser Beitrag zur Rettung der Medienbranche. Ich freue mich natürlich über Diskussionen.

Tipp: Mobiles Netz im Urlaub

Montag, 28. September 2009 - Kategorie: Informieren

Nur als kleiner Praxis-Tipp für zwischendurch: Das Mobile Netz ist ja seit einiger Zeit in aller Munde - und da ich häufig unterwegs bin, hab ich mir nun ein kleines Eee-PC mit integriertem UMTS-Empfänger gegönnt. Ich habe mich früher unendlich darüber aufgeregt, unterwegs E-Mails überhaupt nicht oder nur zu horrenden Kosten bearbeiten zu können. Damit ist jetzt Schluss. Man muss allerdings darauf achten, dass es keine Sim-Locks gibt, sodass man den Anbieter frei wählen kann.

Das ganze geht aber nicht nur auf Inlandsreisen, sondern auch im Ausland. Im Ausland sollte man jedoch in der Regel nicht über den deutschen Anbieter surfen (hohe Kosten), sondern sich eine (Prepaid)-SIM-Karte im jeweiligen Land besorgen. Sich über die vielen Angebote eine Übersicht zu verschaffen, kann allerdings leicht einen Tag Recherche kosten. Die beste Hilfe und Übersicht über internationale Anbieter, die ich finden konnte, liefert die Seite prepaid-wireless-internet-access. Über deren Infos konnte ich beispielsweise in Portugal für 15 Euro 10 Stunden lang überall surfen, bei einer Abrechnung im 5-Minutentakt - ein Angebot, dass hierzulande alle Prepaid-Offerten um Längen schlägt.

Man ist allerdings nicht immer vor schiefen Blicken sicher, wenn man am Strand in Badehose und bei 30 Grad das Netbook auspackt ;-)

Futter für den Flaschengeist

Freitag, 18. September 2009 - Kategorie: Informieren

Zwei Postings, weil heute Freitag ist: Gerade kehre ich von einem Beitrag im Handelsblatt über eine mögliche Finanzblase in China zurück. Im Gepäck: Äußerst dürftige Informationen, keine Links und ein paar Schlagwörter. Wohin gehe ich damit? Na klar, zu Google. Und wo lande ich danach? Na ja, zum Beispiel beim Finanztreff. Finanztreff holt sich diese Infos über den Dow Jones newswire, ein Nachrichtendienst wie etwa dpa. Woher Dow Jones diese Informationen hat, wird natürlich wieder nicht gesagt. Also wieder zu Google und nach societe general suchen, allerdings finde ich auf der Seite keine entsprechende Presseerklärung. Nach zehn Minuten gebe ich frustriert auf.
Über dieses Beispiel kann man viel philosophieren, zwei Erkenntnisse sind dabei für mich besonders wichtig:
1. Die Medien sind es selbst, die den Flaschengeist Google füttern und zu einer solchen Macht verhelfen.
2. Genau diese Art von intransparenter Informationsvermittlung ist der Grund dafür, dass etablierte Medien für mich inzwischen so gut wie nie die erste Anlaufstelle sind, wenn möglich sogar komplett gemieden werden.

Update: Vier News-Modelle

Freitag, 18. September 2009 - Kategorie: Informieren

Nachdem in den letzten Tagen gleich zwei interessante News-Modelle online gegangen sind bzw. über Blogbeiträge ihren Weg zur Trendschau gefunden haben, möchte ich noch einmal drei bzw. vier Modelle vorstellen, die aus meiner Sicht besonders interessant sind.

Nachrichten.de: News nach Aktualität, Verbreitung und Quelle
Gestern hat Burda sein Aggregationsportal online gestellt und das Portal ist tatsächlich recht gut: Die Nachrichten sind in verschiedenen Rubriken gegliedert und können nach unterschiedlichen Kriterien sortiert werden. Standard ist offensichtlich eine Mischung aus Aktualität und Relevanz (Anzahl der Meldungen), wobei mir noch nicht klar ist, welche der vielen gleichlautenden Meldungen aus der Presse in der Front-Ansicht erscheint. Der dritte Sortier-Schlüssel ist "Top-Quelle", weitere Kriterien sollen folgen. Auch wenn der Aggregator als Kampfansage gegen Google für viele zunächst unter einem zweifelhaften Stern stand, kann sich das Ergebnis sehen lassen, insbesondere wegen der leserfreundlichen Gestaltung.

Burda nachrichten.de

Readtwit: News von Empfehlern
Gestern hat Netzwertig einen komplett anderen Ansatz vorgestellt: Mit readtwit ist eine Twitter-Anwendung an den Start gegangen, mit der man die links von seinem Twitter-Netzwerk filtern und in einen Nachrichtenfeed umwandeln kann. Im Feed werden nicht nur die Tweets gezeigt, sondern direkt die Inhalte der verlinkten Webseite. Positiv ist vor allem auch ein (von mir) lang ersehnter Duplikatefilter.

readtwit

Während es bei Nachrichten.de die Journalisten sind, die über die "Nachrichtenwerte" (=Verbreitung) entscheiden, was für den Leser relevant ist und was nicht, sind es bei Readtwit die Freunde und Follower, die Informationen empfehlen. Ein leserorientiertes Relevanzkriterium ist aus meiner Sicht eine spannende Alternative zur Relevanzbewertung durch Journalisten.

Da Burda weitere Sortier-Kriterien entwickeln will, wäre aus meiner Sicht eine bereits beschriebene Social-Rate-Variante interessant, bei der die Nachrichten nach der Empfehlungshäufigkeit aus Social Networks wie Twitter und Facebook sortiert werden. Wenn man die zunehmende Bedeutung von sozialen Netzwerken als Traffic-Lieferant für Medieninhalte ernst nimmt, wäre das ein konsequenter Schritt.

Social-Median und Twingly: News über Gruppen gefiltert
Social-Median hat bereits vor einigen Jahren die Bedeutung von Freunden als Empfehler konsequent aufgegriffen: Gruppen übernehmen die Aufgabe, in einer Nachrichten-Community die Newsfeeds aufzunehmen, zu filtern und zu sortieren. Ein ganz ähnliches Modell strebt Twingly mit den angekündigten Channels (Newsgruppen) an, was eine willkommene Gruppen-Alternative zum personalisierten Ansatz von Twitread wäre.

Einen eigenen News-Community-Ansatz, der Socialmedian ähnelt, hatte ich vor Zeiten mal hier gepostet. So oder so werden intelligente Aggregationsansätze in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen.

Corporate E-Mags - ein paar Beispiele

Montag, 14. September 2009 - Kategorie: Publizieren

Corporate Publishing: MINI-International
Vor einiger Zeit bin ich auf das Corporate Magazin "Mini" vom gleichnamigen Lifestyle-Vierrädler gestoßen, das mich mit einer spannenden Ausgabe über Kyoto und dessen Kulturszene (samt Indie-Pop-CD) überraschte. Zwar hat Mini inzwischen eine Abkehr vom Konzept der Stadtportraits verkündet und den Erscheinungsturnus heruntergefahren. Doch nach wie vor gilt: Während der Journalismus tief in der Krise steckt, boomt das Geschäft mit dem "Service-Journalismus" (= Corporate Publishing) - und zwar schon seit etwa 10 Jahren. Eine Ankündigung von Gruner & Jahr macht diese Verschiebung besonders augenfällig: Der Verlag wird in Zukunft vermutlich weitere klassische Verlagsprodukte einstampfen und gleichzeitig den Corporate-Publishing-Bereich weiter auszubauen. Das könnte zum allgemeinen Trend werden, denn inzwischen gibt es kaum noch einen namhaften Verlag, der nicht auch auf Corporate Publishing setzt.

Corporate Mags unterliegen nicht den Gesetzen des Marktes und nur in geringerem Maß den Geschmäckern der Leser. Zwar weiß ich von einer Krankenkasse, die ihr vielfach prämiertes Jungend-Mag einstampfte und ein Webportal hochzog, um auf die Mediengewohnheiten der Zielgruppe zu reagieren. Trotzdem: Digital, multimedial und vor allem dialogorientiert muss das Corporate-Publishing nicht sein, wenn das Unternehmen darauf keinen Wert legt.

Dadurch wirkt das Corporate Publishing oft ein bisschen zurückversetzt und es wundert kaum, dass die Unternehmen auch den Trend zum Mobile Content derzeit offenbar verschlafen. Trotzdem gibt es natürlich auch beim Corporate-Mag digitale Anstrengungen, deren Ergebnisse dann beim jährlichen "Best of Corporate Publishing Award" in der Rubrik "Electronic Publishing" zu begutachten sind (allerdings nicht nur E-Mags, sondern alle digitalen Formen).

Ein paar unsortierte Beispiele, die nun im Upload-Magazin zu finden sind.

In halbeigener Sache: "Kiwi Paradise" in Hamburg

Sonntag, 13. September 2009 - Kategorie: Publizieren

Ein kleiner Tipp in halbeigener Sache: Ein guter Freund Ingo Petz, mit dem ich schon die ungezählten Vodkasorten im schönen Wolgograd entdecken durfte, liest am Dienstag im Hamburger Literaturcafe Mathilde (Rotherbaum). Ich stelle hier einfach mal den Ankündigungstext rein:

KIWI Paradies. Jetzt kaufen!
"Zu sehen ist ein Neuseeland, das den meisten Reisenden verborgen bleibt und somit den Kiwi-Staat fast 250 Jahre nach James Cook neu entdeckt", urteilte die Süddeutsche Zeitung über den ungewöhnlichen Entdeckerroman (Droemer Knaur) von Ingo Petz. Ironisch und hintergründig erzählt er die Geschichte seines gescheiterten Auswanderungsversuches nach Neuseeland. Einem Land, in dem Gelassenheit und Glücklichsein den Glauben ersetzen, wo es keine Diktatoren, giftigen Tiere oder Pessimismus gibt. In aller Abgeschiedenheit entstanden hier so bizarre wie bodenständige Lebensformen, deren gemeinsamer Nenner ihre verdammte Zufriedenheit zu sein scheint. Warum das so ist, wollte Petz selbst herausfinden."

Alle weitere Informationen findet Ihr auf der Homepage von Mathilde.

Nachrichten.de weiterdenken - ein Social-Rated-Magazin

Freitag, 11. September 2009 - Kategorie: Informieren

Die meisten haben sicherlich von Burdas Newsaggregator nachrichten.de gehört, der in den nächsten Wochen gelauncht werden soll. Burda hat mit zahlreichen Verlagen Verträge geschlossen und übernimmt Story-Teaser (Snippets) in ihr Aggregationsportal nach noch nicht ganz offengelegten Relevanzkriterien. Die Verlage werden an den Werbeerlösen beteiligt und können sogar ihren kompletten Inhalt freigeben. Das macht Sinn, wenn die Werbeeinnahmen auf Nachrichten.de die eigenen Einnahmen übersteigen. Burda richtet sich mit dem Portal gegen Google News, das eine Menge Geld mit der Aggregation von Medieninhalten der Verlage macht und - so der Vorwurf - nichts abgibt. Allerdings schenkt Google News den Verlagen dafür reichlich Traffic, der wiederum zu klingelnden Kassen führt. Dagegen bleiben die Erwartungen an das neue Portal selbst bei Burda bescheiden. Aber auch bei Google gibt es weitergehende Pläne: Mit Spotlight versucht Google News z.B., über einen Algorhythmus eine Art Qualitätsmagazin zu generieren, zumindest interpretieren andere Spotlight in diese Richtung. Die Frage ist für mich nun, wie sich Burda mit nachrichten.de von der Konkurrenz abheben und das Interesse der Leser wecken kann.



Dazu einige Gedanken: Wie nicht nur ich, sondern auch das ReadWriteWeb-Magazin (siehe recommendation engines) behaupten ;-), werden Relevanzkriterien und Empfehlersysteme ein großer Trend im Web werden. Doch eigentlich haben wir bereits viele funktionierende Empfehler- und Relevanzbewertungssysteme: Social-Media-Netzwerke wie Twitter, Facebook und Co. Und ein Blick auf die Verteilung des Traffics über soziale Netzwerke zeigt, dass gerade etablierte Medien hiervon stark profitieren (nebenbei: Twitter hat auch bei der Trendschau Google als Traffic-Geber überholt). Im Gegensatz zu Google profitieren allerdings diese System derzeit noch nicht davon.

Nun also die Überlegung, wie sich nachrichten.de von der Konkurrenz abheben könnte: Menschen mögen maschinengenerierte Portale nicht unbedingt, fühlen sich dagegen jedoch gut, wenn sie selbst einen Einfluss haben. Wenn Burda also ohnehin über die Inhalte (in Form von Snippets) verfügt, wieso dann nicht den Twitterern und Facebookern die gesamte redaktionelle Kontrolle in die Hand geben und die Magazine über deren Empfehlungen (sprich Links) generieren? Also kein User-Generated-Magazin, sondern ein Social-Rated-Magazin ;-)

Nun gut, das nur als kleine Gedankenübung an einem Freitag Nachmittag.

Spannend:

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