Der Community-Content-Converter
Montag, 9. Juni 2008 - Kategorie: Publizieren
Trend-Vorbild Blook
Dass eine Konvertierung von Webinhalten in traditionelle Print-Produkte jedoch grundsätzlich auch kommerziell ein Erfolg sein kann, haben diverse Blooks (= weblog2book, links das Bestseller-Blook "Train-Man") bewiesen - und der jüngste Bericht vom Börsenverein über die Ausbreitung des Phänomens in China nährt tatsächlich Hoffnungen auf eine strahlende Zukunft, oder zumindest eine längere Modeerscheinung. Die Synergien dieser Publikationsform liegen auf der Hand: Der Blogger versammelt einen Leserkreis und baut einen Hype auf, den der Verlag auf das Offline-Publikum überschwappen lässt (trotz web2.0 ja immer noch die größere Masse). Die nach wie vor häufig anzutreffende Annahme, eine freie Netzverfügbarkeit sei grundätzlich ein Sargnagel für Print-Ausgaben, wurde also bereits vor Jahren widerlegt. (Nebenbei: eilige Blooker können auf dieses Konvertierungstool von Sharedbook zurückgreifen.) Doch wie sieht es nun mit gemeinschaftlich erstellten Inhalten aus?
UGM: Der Community-Faktor
Eine bekannte Form von Community-Projekten sind Literaturblogs von Autorengemeinschaften, wie sie zum Beispiel der Autorenhaus-Verlag in seinem „Ein Roman in einem Jahr“-Projekt verfolgt. Unser eigener Versuch, über ein „Community-Blook“ eine Art online-basierte Loseblattsammlung zu entwickeln, ist bislang allerdings nicht eingeschlagen. Weitere Details zum Thema "Autoren-Community-Blogs" sind von dem angekündigten journalistischen Beitrag zu erwarten, daher an dieser Stelle also erst einmal keine Vertiefung.
Einen (kleinen) Schritt weiter haben sich einige webbasierte Community-Magazine gewagt. Ein Beispiel: Ende 2006 startete das community-basierte Web-Magazin „mindestenshaltbar“ den Versuch, über den BoD-Verlag eine zusätzliche Print-Ausgabe zu vermarkten. Dabei wählten die Macher als Medium allerdings ein Buch mit ausgewählten Beiträgen, und kein klassisches Magazin. Ohne genaue Zahlen zu recherchieren dürfte das Fehlen einer Folgeausgabe eher gegen einen Erfolg sprechen. Hinter dem Projekt steckt übrigens nicht irgendwer, sondern immerhin Knallgrau (twoday.net) und damit die Pioniere des Bloggings im deutschsprachigen Raum. An einem mangelnden Zugang zur Zielgruppe dürfte es also nicht gelegen haben. Vielleicht eher am falschen Konvertierungs-Medium oder am fehlenden Hype?
Ortswechsel. Im selben Jahr wurde in San Francisco der Verlag 8020Publishing.com aus der Taufe gehoben – und damit das Konzept des User-Generated-Magazine in seiner konsequentesten Form geboren. Im Gegensatz zu den Blooks oder dem blogbasierten Magazin-Ansatz von mindestenshaltbar setzt 8020Publishing ganz auf klassische Communities als Plattform für die Content-Erzeugung. Die Inhalte sind sowohl über die Webseite, als auch in Form klassischer Print-Magazine über Mag-Shops erhältlich.
Mit den beiden Magazinen JPG (Photomag) und Everywhere (Reisemag) hat sich der Verleger dabei wohl geziehlt Sparten ausgesucht, die bei herkömmlichen Verlagen hohe Kosten durch Photographen- und Autorenhonorare verursachen (denken wir z.B. an GEO, ADAC-Reisemag & Co.). Kosten, die bei einer Abgeltung von 100,- $ pro Beitrag plus Freiabo so gut wie entfallen, sodass sich letztlich auch Kleinauflagen rechnen dürften. Im Falle von JPG wird die Printauflage mit 23.000 Exemplaren angegeben, hinzu kommen 500.000 Webbesucher pro Monat. Noch kein sonderlich profitables Geschäft, aber immerhin ein funktionierendes Modell, wie Geschäftsführer Cloutier in der newsweek vor kurzem berichtete. Letzten Donnerstag kündigte er übrigens im cyberjournalist die Auflage zweier weiterer Magazine an, diesmal für Koch- und Auto-Enthusiasten.
Der große Trend...
... wollte sich dennoch nicht einstellen, im Gegenteil, die Zahl der Nachahmer bleibt eher überschaubar. Zu nennen wäre z.B. das Magazin BudgetTravel aus New York und das ja immer gerne im gleichen Atemzug genannte Berlin ;-) mit dem UGM-Projekt „Balkon und Garten“.
Grundsätzlich spricht kaum etwas gegen den Erfolg von UGM-Projekten, möglicherweise gibt es jedoch ein paar erschwerende Aspekte:
1. Der Personenkult um den Blogger und sein Blog ist für den Blook-Hype wohl nicht unerheblich, lässt sich jedoch auf Communities nur schwer übertragen.
2. Abgesehen vom fehlenden Kult-Potential ist die gemeinschaftliche Erstellung von Inhalten gerade in Form von regelmäßigen Magazinen schlicht eine schweißtreibende Arbeit, wie auch die Macher des BudgetTravel im Folio-Mag berichteten.
3. Aus den gleichen Gründen dürfte es deutlich schwieriger sein, Autoren für derartige Gemeinschaftsprojekte zu begeistern.
Oder liegt der Hund vielleicht doch wo ganz anders begraben? Klingt der Trend zum Amateur- oder Bürgerjournalismus vielleicht schon wieder ab und findet still und heimlich eine Rückbesinnung auf professionelle Information statt? Die Trendschau bleibt dran und berichtet in den nächsten Wochen ...






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