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Textvermarktung II: Portale im Überblick

Montag, 23. Juni 2008 - Kategorie: Schreiben

Der Seitenstatistik zufolge scheint das Thema Textvermarktung die Datensurfer zu beschäftigen. Daher als Ergänzung zum ersten Beitrag eine kleine Gesamtschau.


1. Journalistenportale



Neben der bereits vorgestellten open:tx-Handelsplattform für Verwertungsrechte existiert noch der Umschlagplatz newsboerse von com:box, der sich in erster Linie an Korrespondenten und Verlage richtet. Laut Com:box nutzen 239 Anbieter und 87 Abnehmer das Portal. Für Korrespondenten ist die Leistung kostenpflichtig, leider sind die Preise schwer (bis überhaupt nicht) auffindbar. Ein drittes Journalistenportal unter dem Namen frische-presse versteht sich im Gegensatz zu den beiden anderen Anbietern nicht als Textbörse, sondern als eine Vermarktungsplattform für Journalisten. Dementsprechend sind die Texte frei zugänglich und können mehr oder weniger als Probetexte zur Ergänzung der eigenen Profildarstellung gelesen werden. Sinn und Zweck der ganzen Unternehmung ist die themengesteuerte Journalistensuche durch potentielle Auftraggeber. Zur Auswahl stehen derzeit ca. 140 registrierte Schreiberlinge, denen die Leistungen der Plattform immerhin 129,- Euro Gebühren wert sind.

2. „Klickmagazine“
„Klickmagazine“ entlohnen ihre Autoren über die Anzahl der Klicks (pay-per-view) und die darüber generierten Werbeeinnahmen. Der Tausender-Kontaktpreis bei Online-Werbung liegt derzeit bei etwa 2,- bis 3,- Euro, man kann sich also selbst ausrechnen, wie viel Traffic ein Artikel für ein angemessenes Honorar erzeugen muss. Ein prominentes Beispiel für ein solches „Klickmagazin“ ist das bereits vorgestellte Portal suite101. Es gibt zwar unzählige weitere Artikelverzeichnisse, kaum eines bietet jedoch den Autoren eine Beteiligung an den Werbeeinnahmen an. Auf dem gleichen Klick-Prinzip beruhen allerdings auch ganz gewöhnliche Blogportale, wobei eigene Werbeeinnahmen immer einen kostenpflichtigen Account voraussetzen. Der große Vorteil von Blogportalen dürfte in der völlige Unabhängigkeit und der breiteren Kommerzialisierungsmöglichkeit (Bezahlartikel, Affiliate etc.) liegen, dagegen kann suite101 mit einer bereits bestehende Lesergruppe aufwarten, die möglicherweise auch für neue Autoren leichter zu gewinnen ist. All diese Modelle bieten dem Schreiber jedoch keine Lebensgrundlage: Regelmäßige Umfragen zu Blogeinnahmen nennen ernüchternde Durchschnittszahlen von ca. 400,- Euro pro Monat (unzählige Vermarktungstipps dazu in selbständig-im-netz) , mehr (wenn überhaupt) dürfte es bei suite101 ganz sicher auch nicht sein. Dass es hier wie dort Ausnahmen gibt, ist nun einmal kein Maßstab für die Masse (suite101 gibt den Verdienst ihrer „Starschreiber“ mit 1000$ an, populäre blogs wie turi2 dürften ebenfalls deutlich über dem Durchschnitt liegen).

3. Dokumentenhändler


Auf ein anderes pay-per-view-Modell setzen Dokumentenhändler wie Xinxii, wobei der Übergang zu Verlagen fließend ist (einziger Unterschied ist die Vergabe von ISBN-Nummern bei Online-Verlagen). Bei Xinxii werden Dokumente vom User zum Verkauf (oder zur freien Verfügbarkeit) hochgeladen, ähnlich wie bei Online-Verlagen wird man pro Download am Umsatz beteiligt. Weitere Anbieter sind docu-trade oder peo, wobei peo die Texte zum Teil zusätzlich noch in Themenmagazine zusammenfasst. Für den wissenschaftlichen Bereich gibt es neuerdings mit twidox eine eigene (allerdings nicht kommerzielle?) Dokumentenplattform, die den derzeit vor allem von Bibliotheken betriebenen Open-Access-Bereich neu aufrollt. Geld verdienen lässt sich hier also nicht, was für Wissenschaftler allerdings auch nur zweitrangig sein dürfte. Twidox hat kürzlich mit Media-Ventures einen recht prominenten Kapitalgeber gefunden, das Konzept scheint also zu überzeugen...

4. Textbörsen




Die bislang recherchierten Textbörsen richten sich leider mit ihrer teils drastischen Konditionenpolitik fast ausschließlich an die nichtprofessionelle Schreiberzunft, Auftraggeber bzw. Abnehmern stammen überwiegend aus der SEO-Branche. Das Portal Textbroker wurde hier bereits vorgestellt, ein ähnliches Angebot zu den gleichen indiskutablen Konditionen unterbreitet contentworld. Contentworld hat wohl aufgrund des Marktdrucks seine Preise noch einmal gesenkt und dadurch zumindest im Internet Schelte von den Autoren geerntet. Denen würde statt der Abwanderung zu Textbroker noch ein drittes Portal zur Verfügung stehen: textox. Die jüngste der drei Plattformen hat dabei einen klaren Vorteil: sie lässt die Autoren selbst entscheiden, ob sie ihre Leistungen zu Dumping-Konditionen anbieten oder mit dem Auftraggeber frei verhandeln wollen. Auch sonst unterscheidet sich das Modell, denn hier sind es nicht die Abnehmer, die Aufträge einstellen, sondern Texter, die sich mit ihrem Profil und ihren Schwerpunktthemen präsentieren. Geld macht das Portal über die kostenpflichtigen Vermittlung der Kontaktdaten an Auftraggeber. Die Positionierung auf dem Markt bleibt bei Textox allerdings unscharf: einerseits präsentiert sich das Portal als faire Alternative gegenüber textbroker, bietet jedoch andererseit – wenn auch auf freiwilliger Basis - die gleichen Dumping-Konditionen für die gleichen Zielgruppen an. Ein Wettbewerb, in dem das Portal schlicht nicht bestehen kann. Textox wäre daher gut beraten, die Dumping-Preisstruktur komplett aufzugeben und sich auf den (ja noch recht jungfräulichen) professionellen Bereich zu konzentrieren, ev. mit einer zusätzlichen Auftragsfunktion. Derzeit kann man das Portal immerhin als besseres Texterverzeichnis nutzen, wobei fraglich bleibt, warum Auftraggeber nicht auf die (reichlich verfügbaren) kostenfreien Angebote zurückgreifen sollten.

5. Texterverzeichnisse
Verzeichnisse gibt es wie den sprichwörtlichen Sand am Meer. Als Beispiel sei hier der recht etablierte, allerdings auch kostenpflichtige Anbieter lektorat.de genannt, der inzwischen auch über eine Texterabteilung verfügt. Parallel zum Verzeichnis des Lektorenverbands bietet natürlich auch der Texterverband für Mitglieder einen Eintrag. In den Space geworfen seien hier noch Verzeichnisse wie texter.de oder textmarkt.de. Das Problem all dieser Verzeichnisse: sie werden von Auftraggebern so gut wie nicht in Anspruch genommen, wenn sie dort denn überhaupt bekannt sind. Man sollte sich daher gut überlegen, ob man sich für ein kostenpflichtige Angebot entscheidet, oder mehrere kostenlose Verzeichnisse nutzt und so zumindest ein paar weitere Links auf seine Firmenhomepage schaltet.

Die Ideale Textplattform
Keines der Angebote hilft einem professionellen Texter derzeit wirklich weiter. Wer also eine neue Plattform für Texter auf den Markt schmeißen will, sollte zwei Punkte berücksichtigen:

1. Es ist kein Problem für Schreiber, Texte im Internet zu publizieren, sondern ein Problem für Texte, ein Qualitätssigel zu bekommen. Genau das ist die Funktion von Empfehlern, und die mächtigsten institutionalisierten Empfehler sind nach wie vor die Verlage.

2. Es ist kein Problem für Schreiber, ihre Dienstleistung z.B. über Verzeichnisse und Börsen anzubieten, sondern es ist für Verzeichnisse und Börsen ein Problem, die passende Zielgruppe, sprich die Auftraggeber, zu erreichen.

Die ideale Kombination aus einem Autoren- und Textmarktplatz mit anerkanntem Qualitätssigel und einem schlagkräftigen Tool zur Zielgruppenerschließung wartet noch auf seine Geburt. Und selbst dann bleibt die Frage, ob letzlich nicht doch die Macht persönlicher Bindungen und Empfehlungen schwerer wiegt.

Comment to twidox

My German isn't that good, so I will reply in English, hope that is OK.

Was great to see twidox in this post.

Since we don't charge users for the documents we also cannot pay authors, and that was never the purpose of the site. twidox is about removing the limitations to doing good research (subscription, paid-content, etc) so that everyone can have better access to knowledge to help them in their work, learning, teaching or research.

However, we will introduce some features allowing users to earn money via twidox, those features will be introduced at a later stage though.

If anyone needs more information about twidox, register on www.twidox.com or contact me on firstname and then our domain.

Best,

Nicholas

Disclaimer: I am one of the co-founders and CEO of twidox

Erotexotica (Gast) - 23. Jul, 12:30

Textvermarktung für Erotiktexte

Wer lieber mit Sexfantasien Geld verdienen möchte, kann seine erotischen Fantasien bei Erotexotica an den Mann bringen.

Elias (Gast) - 2. Okt, 18:27

Ergänzung zu XinXii

Interessant bei XinXii ist, dass man als Autor 70% pro Verkauf bzw. Download seines Textes erhält und es keine Minimalvorgaben hinsichtl. des Umfangs gibt.

Trackback URL:
http://trendschau.twoday.net/stories/5012567/modTrackback

Spannend:

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