Science-Revue: Publizieren, bloggen, netzwerkeln

Montag, 4. August 2008 - Kategorie: Publizieren




Das Web machts möglich: Während früher auf Promovenden & Co. mit der Veröffentlichung nicht nur der langersehnte Titel, sondern z.T. auch horrende Kosten zukamen, können Pflichtveröffentlichungen heute im besten Fall sogar ein bisschen Geld einspielen, zumindest theoretisch. Doch das Web hat Nachwuchsforschern noch mehr zu bieten...

Das Renommee

Die Veröffentlichung von Forschungsarbeiten in einem renommierten Verlag bedeutet für viele Nachwuchsforscher das entscheidende Tüpfelchen auf dem i. Das Problem: Ihre Forschungsarbeiten liegen in der Regel wie Blei in den Regalen: Geisteswissenschaftliche Arbeiten erreichen nur selten die 50er-Marke, aber auch besser laufende Studien aus Bereichen wie BWL verkaufen sich nur selten über 100 mal. Die Folge: Renommierte Verlage suchen sich die Arbeiten sehr genau aus und verlangen nicht selten einen saftigen Druckkostenzuschuss, der leicht in die Tausender gehen kann. Der Autor hat zwar noch die Möglichkeit, über VG-Wort einen Druckkostenzuschuss zu erhalten (laut Richtlinien allerdings nur mit Note „Summa“), der spielt jedoch meist nur einen Bruchteil der Kosten wieder rein (im Schnitt 300 - 400 Euro). Wer Renommee will, muss also auch heute oft noch zahlen, und da es inzwischen mehr als genug kostengünstige bis kostenlose Alternativen gibt, ist daran m.E. auch nichts auszusetzen.

Bibliotheken

Uni-Bibliotheken stellen Bücher nicht mehr nur noch ins Regal, sondern bieten oft auch eigene meist elektronische Publikationsdienste an. Das ganze ist kostenfrei, dafür gibt es kaum Möglichkeiten zur Kommerzialisierung und auch der Bezug über den Buchhandel ist eher die Ausnahme. Allerdings sind meist Parallelveröffentlichungen in Verlagen möglich, wobei nicht alle Verlage auf diesen Deal eingehen werden. Die deutsche Nationalbibliothek hat hierzu Informationen unter dissonline.de zusammengestellt.

Pflicht statt Kür

Wer seine Veröffentlichungsflicht über einen der vielen Dissertationsverlage erledigt, kann sich zumindest die Schwemme von Absagebriefen ersparen, denn dieser Verlagstyp versteht sich meist eher als Dienstleister. Bekannte Diss-Verlage waren bzw. sind z.B. der international aufgestellte Verlag Peter Lang oder kleinere Verlage wie Dr. Kovac. Wo früher z.T. ebenso horrende Druckkostenzuschüsse verlangt wurden, hat heute die Konkurrenz bei vielen Verlagen für annähernde Kostenneutralität gesorgt (durch eigene Fonds oder VG-Wort-Zuschüsse, sofern diese gewährt werden). Einige Verlage bieten auch unterschiedliche Modelle mit Honorarbeteiligung an, sodass im besten Fall ein bescheidener Gewinn herauskommen kann. Dabei sollte man sich allerdings nie Illusionen über die Verkaufsaussichten machen.

PoD/BoD-Verlage

Es geht noch günstiger: Wo Einzelkämpfer früher mit einem Eigenverlag vielfach in einen Sumpf aus Druckkosten, ISBN-Gebühren, Pflichtexemplaren und Werbemaßnahmen geschlittert sind, kann man heute auf PoD/BoD-basierte Verlage zurückgreifen. Wer jetzt die Nase rümpft: Print-on-Demand steht schlicht für ein digitales Druckverfahren, das bei gewöhnlichen Büchern ohne aufwändigem Bildmaterial von der Qualität her kaum noch vom Offset-Verfahren zu unterscheiden ist und inzwischen auch von vielen renommierten Verlagen für die Backlist genutzt wird. Aus Verlagssicht sind natürlich die relativ hohen Druckkosten pro Exemplar ein Nachteil, dafür werden die Lagerkosten sowie die Vorinvestitionen bei hohem Verkaufsrisiko gespart und der Cash-Flow-Beutel geschont.

BoD-Dienstleister für die Akademikerwelt sind z.B. vdm oder grin, wobei sich beide Anbieter derzeit noch hauptsächlich im Markt unterhalb der Diss bewegen (Dipl-Arbeiten, Seminararbeiten, Skripte & Co). Letzter Anbieter war ursprünglich mit Hausarbeiten.de für die massenhafte informelle Vervielfältigung von Seminar- und Abschlussarbeiten verantwortlich, bietet heute allerdings auch richtige Printbooks an und kontaktiert (wie auch die Konkurrenten) seine potentiellen Autoren meist schon in der Abschlussphase ihrer Arbeiten. Bei Dissertationen scheint bisland das Qualitätssigel durch eine klassischen Verlag noch eine dominantere Rolle zu spielt. Trotzdem sollte dem BoD-Verlagstyp gerade in diesem Bereich eine Zukunft gehören, sofern es ein Anbieter schafft, neben der reinen Vertriebsfunktion die zweite Kernaufgabe zeitgemäßer Verlage in den Fordergrund zu stellen: den Aufbau einer Marke, die Händler und Kunden zum Zugreifen zwingt ;-)

Zu den Nachteilen der „Digital“-Verlage:
  1. Ein VG-Wort-Zuschuss wird beim PoD-Verfahren nur sehr eingeschränkt gewährt: für die volle Auszahlung müssen 100 verkaufte Exemplare und eine Präsenz in zwei Verbundbibliotheken und fünf Standorten nachgewiesen werden (zumindest nach dem letzten Stand). Genau aus diesem Grund bleiben die klassischen Diss-Verlage oft auch noch beim Offset-Verfahren mit fester Auflage.
  2. Die Verkausfpreise der Bücher knacken auch bei BoD-Verlagen nicht selten die 40 bis 50 Euro-Marke, sind also wie bei vielen klassischen Verlagen nicht besonders kundenfreundlich. Hintergrund der Kalkulation: meist müssen schon eine Handvoll Bücher die entstandenen Umkosten (ISBN-Gebühren, Dateninstallation beim Drucker, Pflichtexemplare an Nationalbibliothek, Arbeitsaufwand) wieder einspielen und ein höherer Käuferkreis (ein paar Bibliotheken werden schon zugreifen) ist auch bei niedrigem Preis kaum zu erwarten.
Eine Alternative könnte sich in Zukunft mit Modellen wie dem jungen Verlag Tredition entwickeln, bei dem der Autor den Preis oberhalb eines Sockelbetrages selbst bestimmt, wobei im Gegenzug Marketing-Bemühungen des Autors gerne gesehen werden, da sich auch dieses Geschäft irgendwie rechnen muss.

Was gibt’s sonst noch im Web

Eine Marketing-Möglichkeit für junge Wissenschaftler bieten zum Beispiel die Blitzrezensionen bei Uni-Online, unklar ist allerdings, ob auch Dissertationen und Habils in den Rezensionspool aufgenommen werden.

Nicht immer geht es gleich um schwergewichtige Veröffentlichungen, viele suchen einfach einen Raum für den gepflegten wissenschaftlichen Diskurs. Dafür bietet sich inzwischen die wissenschaftliche Blogszene (Science-Blogs) an. Hierzulande haben sich die science-blogger z.B. über die Seite wissenschaftscafe.de zusammengeschlossen, um eine Einbindung dieser Blogger-Gemeinschaft bemüht sich auf Verlagsseite insbesondere Spektrum. Und mit dem Scilog-Preis hat nun auch diese Nischen-Gemeinde seine eigene Trophäe kreiert. Zählt man zu dieser Nische übrigens auch noch andere geistig hyperaktive Netznutzer, so kommt man im Land der Dichter und Denker immerhin auf knapp zweieinhalb Millionen und den schönen Namen „Leonardos“ .

Weitere Angebote für Akademiker sind die bereits vorgestellte und vermutlich sehr zukunftsträchtige Dokumentenplattform Twidox, die sich als user-generated-library versteht und Nutzern den kostenfreien Austausch von Dokumenten ermöglicht. Auch der Community-Markt hat fernab von Studi-VZ noch etwas zu bieten: Lalisio versteht sich als Wissensnetzwerk und will unter anderem Studien- und Forschungspartner zusammenbringen. Der Aktivitätsgrad der Community ist mir allerdings nicht bekannt. Schließlich hat auch noch das klassische Akademiker-Blatt ein paar Angebote in der Hand: Mit der bereits erwähnten Plattform 15Talents bietet die Zeit eine Projekt-Börse für Unternehmen und Studies an, während die Jobbörse academics wohl eher den klassischen Zeit-Stellenmarkt ins Web bringen will.

Bevor sich die Kurzrevue jetzt allzu sehr in die Länge zieht, machen wir hier einfach mal einen cut und setzen uns wieder – an den Schreibtisch...

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