Menschmaschinen

Montag, 8. Juni 2009 - Kategorie: Schreiben

Abfall für Auserwählte: Kapitel vor, Kapitel zurück.

Gerade hatte ich mir die nächste Frage zurechtgelegt, als ich plötzlich stutzig wurde: Mit der Antwort stimmte was nicht. Es war wie mit der scheiß Katze, die damals einen Kratzer in die Matrix machte und Keanu Reeves mit seinem makellosen Teint einen willkommenen Vorwand bot, die ganze schöne Illusion kurz und klein zu hacken, freilich nicht ohne seinen Amoklauf mit diesem religiösen Brimborium zu verbrämen, obwohl wir als wahren Antrieb doch alle seine Furcht erahnten, dass sich Anne Catrin Moss sonst wohl kaum noch so bereitwillig hingegeben hätte. Also macht er da so ein Ding um den Kratzer – und auch ich war mir inzwischen ziemlich sicher, dass ich auf genau diese Frage schon mal eine andere Antwort gehört hatte: „Apparently“ hieß es damals, und auch wenn ich um die Zwänge der Drehbuchschreiber weiß, in einer frühabendlichen Serie die Sendezeiten nicht allzu sehr mit ausschweifenden Erklärungen zu strapazieren, so war ich mir doch sicher, dass sie damals im Kern die richtige Antwort gegeben hatten und die neue gehypte Knowledge-Engine Wolfram|Alpha eben doch falsch lag. Denn wie sonst hätte Kirk damals einen Weg aus dem Paralleluniversum finden können?



Und während ich noch grübelte, wie also Reeves in meiner Situation vorgegangen wäre, kam mir eine Szene in den Sinn, die sich viele Jahre später abspielen sollte: Inzwischen hatte Kirk den Drehbuchschreiber gefeuert, und dann wurde Kirk von der Produktionsfirma gefeuert, und so übernahm ein Glatzkopf die Regie auf dem Schiff, und dieser eher mit hohen moralischen Standards ausgestattete Picard lief irgendwann zum Feind über und wurde dort von seinen neuen Freunden mit ein bisschen Elektronik aufgepeppelt. Nun hatte Picard nicht den Teint eines Reeves und zudem verhalf ihm das elektronische Zeugs auch zu deutlich klareren Aussagen, doch der unerfahrene Drehbuchschreiber hatte offensichtlich ein Vermittlungsproblem, denn nun jammerten und buhten die alten Weggefährten und starteten – ganz nach dem von vincereardon beschriebenen Muster der kreativen Klasse – eine eher technikfeindliche Gegeninitiative.

Genau diese Reaktion hat interessanter Weise vor einiger Zeit und in einem ähnlichen Zusammenhang auch Neal Stephenson prophezeit, dessen Bücher ja neben den synthetischen Drogen zu den Dingen gehören, die Leute wie David Cronenberg bei ihren Cyberpunk-Phantasien reichlich genossen haben dürften. Und während Stephenson mit der Forderung nach einem Netzfilter seiner Zeit wieder voraus ist, kramt die kreative Klasse und allen voran James Cameron Stephensons reichlich verstaubte Vision eines 3D-Avatars wieder hervor, während die viel weitsichtigeren Konzepte von Filtern, Menschmaschinen und Klon-Armeen meist nur als Negativpause herhalten dürfen und sich sogar bis hinunter in die billigen Psychostreifen fressen, in denen regelmäßig ein paar eineiigen Zwillinge zum Angriff auf unser Verständnis von Freiheit und Individualität blasen. Das Cameron nun Sigourney Weaver für seinen 3D-Streifen verpflichtet hat, ist dennoch interessant, denn auch wenn es bezeichnenderweise als das schlechteste Werk von Jean-Pierre Jeunet gilt, so war Alien 4 doch der einzige Film, in dem ich mein Herz völlig ohne schlechten Beigeschmack an einen Klon (Sigourney) und einen Androiden (Winona) verschenken durfte...

Fortsetzung folgt...

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