Fernweh, Reiseführer und das Netz
Sonntag, 5. Juli 2009 - Kategorie: Publizieren
Es gibt Orte, an denen man sich nur ungern als orientierungs- und hilfloser Tourist outet. Der Flughafen Baneasa in Bukarest ist ein solcher Ort, der Bahnhof von Brasov am Fuß der Karpaten zählt ebenfalls dazu, und an ähnlichen Orte stand ich zuvor in Moskau, Tiflis oder Damaskus. Und überall habe ich erst am letzten Tag die wirklich interessanten Ecken entdeckt. An all diesen Orten war ein Reiseführer mein Begleiter, und in vielen Fällen musste ich ihn mit Flüchen belegen, die ich hier nicht wiederholen möchte.
Das Problem ist klar: die Reiseführer sind selten praxistauglich, schon beim Erscheinen veraltet und in der Regel für den Bildungsreisenden geschrieben, der sich mehr für Kirchen und Kulturdenkmäler als für das aktuelle Sozial- und Kulturleben einer Stadt interessiert. Oder - siehe Lonely Planet - etwas zu schnodderich daherkommt und einen in die ungeliebten Backpacker-Enklaven führt.

(Hier ein paar Bilder aus Buka)
Allerdings tut sich im heiß umkämpften Reiseführermarkt einiges:
Werbefinanziertes City-Mag
Bei meiner allerersten Startup-Idee wollte ich vor einigen Jahren eine Travellerpage mit Videos zu allen erdenklichen Aspekten einer Stadt einrichten. Damals kam ich gerade aus Budapest zurück, wo ich viel zu spät die wunderbaren Independent-Designer-Boutiquen entdeckt hatte. Solche Tipps können natürlich am besten Menschen geben, die in der Stadt zu Hause sind.
Einen ähnlichen Gedanken verfolgt die Serie "In your Pocket": Hier geben Expats ständig aktualisierte Tipps zu ihrer Stadt, veröffentlichen das ganze online, als PDF, E-Paper und schließlich als Print-Version kostenfrei und werbefinanziert. Die Blättchen beschreiben allerdings in erster Linie Hotels, Restaurants und Bars, ersetzen daher keinen Reiseführer und auch kein Stadtmagazin mit Tageskalender. Trotzdem, das Projekt ist spannend und offensichtlich erfolgreich.
Elektronischer Reiseführer
Die Verlage selbst scheinen die Zukunft vor allem im elektronischen Reiseführer zu sehen. ipublish von der Verlagsgruppe Ganske arbeitet zum Beispiel an solchen Modellen, und vor einigen Wochen hat bwlzweinull in einem Kurzbericht über das Programm Layar für Android-Mobiltelefone bzw. Wikitude beschrieben, wohin die Reise in Zukunft geht: Bei der Augmented Reality werden reale Bilder und Objekte um digitale Zusatzinformationen ergänzt. Beim Reiseführer zoomed man zum Beispiel ein Objekt an, zu dem ein Programm in Realtime entsprechende Informationen aus dem Netz (z.B. Wikipedia oder Qype) fischt. Das sieht dann so aus:
Community-Ansätze
Klar, Wikipedia muss natürlich auch mitmischen. Und in der Tat: zu Bukarest liefert Wikitravel.org die einzige vollstänige und brauchbare Beschreibung, wie man vom Flughafen Baneasa in die Innenstadt kommt (inkl. Tram). Zum Rest sind die Angaben jedoch reichlich dünne und teilweise schlicht falsch. Insbesondere fehlt Bild- und vor allem Kartenmaterial, was für mich das A und O eines guten Reiseführers ist.
Karten gibt's dagegen auf Wikimapia mehr als genug. Eigentlich nur Karten, denn das ganze "Wikisystem" basiert auf Geotagging und kann am besten als eine Mischung aus Google Earth und Qype beschrieben werden. Interessant ist vor allem, dass man nicht nur einzelne Orte, sondern auch Straßenzüge oder ganze Stadtviertel markieren und beschreiben kann. Das wäre für einen Reiseführer ideal zur Charakterisierung einzelner Stadt- und Szeneviertel. Zumal könnte man so auf Anhieb Galerien, Museen oder spezielle Clubs/Bars auf dem Stadtplan anzeigen. Übrigens: Wikimapia sitzen in Moskau und haben mit Wikipedia nichts zu tun.

Schön wär's: City-Blog und PoD-Reiseführer
Mir würde auf Anhieb kaum ein Bereich einfallen, der sich so sehr für die Personalisierung und PoD-Produktion eignet, wie Reiseführer. Und da wir ja beim Bloggen alle so darben, frage ich mich ab und zu, ob ein Netzwerk aus City-Reiseblogs nicht interessant wäre, über das sich jeder seinen individuellen Reiseführer über Abfrage wie: Reisetyp (Business, Familie, Szenefreak), Reisezeitraum etc. selbst zusammenklicken kann.
Technisch wäre das allerdings nicht ganz so einfach zu realisieren, zumindest wenn es interessant werden soll:
Das Problem ist klar: die Reiseführer sind selten praxistauglich, schon beim Erscheinen veraltet und in der Regel für den Bildungsreisenden geschrieben, der sich mehr für Kirchen und Kulturdenkmäler als für das aktuelle Sozial- und Kulturleben einer Stadt interessiert. Oder - siehe Lonely Planet - etwas zu schnodderich daherkommt und einen in die ungeliebten Backpacker-Enklaven führt.

(Hier ein paar Bilder aus Buka)
Allerdings tut sich im heiß umkämpften Reiseführermarkt einiges:
Werbefinanziertes City-Mag
Bei meiner allerersten Startup-Idee wollte ich vor einigen Jahren eine Travellerpage mit Videos zu allen erdenklichen Aspekten einer Stadt einrichten. Damals kam ich gerade aus Budapest zurück, wo ich viel zu spät die wunderbaren Independent-Designer-Boutiquen entdeckt hatte. Solche Tipps können natürlich am besten Menschen geben, die in der Stadt zu Hause sind.
Einen ähnlichen Gedanken verfolgt die Serie "In your Pocket": Hier geben Expats ständig aktualisierte Tipps zu ihrer Stadt, veröffentlichen das ganze online, als PDF, E-Paper und schließlich als Print-Version kostenfrei und werbefinanziert. Die Blättchen beschreiben allerdings in erster Linie Hotels, Restaurants und Bars, ersetzen daher keinen Reiseführer und auch kein Stadtmagazin mit Tageskalender. Trotzdem, das Projekt ist spannend und offensichtlich erfolgreich.
Elektronischer Reiseführer
Die Verlage selbst scheinen die Zukunft vor allem im elektronischen Reiseführer zu sehen. ipublish von der Verlagsgruppe Ganske arbeitet zum Beispiel an solchen Modellen, und vor einigen Wochen hat bwlzweinull in einem Kurzbericht über das Programm Layar für Android-Mobiltelefone bzw. Wikitude beschrieben, wohin die Reise in Zukunft geht: Bei der Augmented Reality werden reale Bilder und Objekte um digitale Zusatzinformationen ergänzt. Beim Reiseführer zoomed man zum Beispiel ein Objekt an, zu dem ein Programm in Realtime entsprechende Informationen aus dem Netz (z.B. Wikipedia oder Qype) fischt. Das sieht dann so aus:
Community-Ansätze
Klar, Wikipedia muss natürlich auch mitmischen. Und in der Tat: zu Bukarest liefert Wikitravel.org die einzige vollstänige und brauchbare Beschreibung, wie man vom Flughafen Baneasa in die Innenstadt kommt (inkl. Tram). Zum Rest sind die Angaben jedoch reichlich dünne und teilweise schlicht falsch. Insbesondere fehlt Bild- und vor allem Kartenmaterial, was für mich das A und O eines guten Reiseführers ist.
Karten gibt's dagegen auf Wikimapia mehr als genug. Eigentlich nur Karten, denn das ganze "Wikisystem" basiert auf Geotagging und kann am besten als eine Mischung aus Google Earth und Qype beschrieben werden. Interessant ist vor allem, dass man nicht nur einzelne Orte, sondern auch Straßenzüge oder ganze Stadtviertel markieren und beschreiben kann. Das wäre für einen Reiseführer ideal zur Charakterisierung einzelner Stadt- und Szeneviertel. Zumal könnte man so auf Anhieb Galerien, Museen oder spezielle Clubs/Bars auf dem Stadtplan anzeigen. Übrigens: Wikimapia sitzen in Moskau und haben mit Wikipedia nichts zu tun.

Schön wär's: City-Blog und PoD-Reiseführer
Mir würde auf Anhieb kaum ein Bereich einfallen, der sich so sehr für die Personalisierung und PoD-Produktion eignet, wie Reiseführer. Und da wir ja beim Bloggen alle so darben, frage ich mich ab und zu, ob ein Netzwerk aus City-Reiseblogs nicht interessant wäre, über das sich jeder seinen individuellen Reiseführer über Abfrage wie: Reisetyp (Business, Familie, Szenefreak), Reisezeitraum etc. selbst zusammenklicken kann.
Technisch wäre das allerdings nicht ganz so einfach zu realisieren, zumindest wenn es interessant werden soll:
- Die größte Schwierigkeit wäre sicherlich, die Blogs mit einem automatisierten Satzsystem zu verbinden, damit sich ohne Aufwand ein Print-Führer erstellen und über PoD drucken (oder elektronisch nutzen) ließe.
- Da die Installation von Daten bei PoD etwas kosten, stellt sich die Frage, wie weit sich individuelle Printbücher rechnen. Bei anderen Büchern rechnet sich das Konzept (es gab z.B. Bücher mit individualisierbaren Titelhelden (m/w), vom Aufwand allerdings kaum vergleichbar), müsste man mal recherchieren.
- Interessant wäre sicherlich ein zusätzlicher Einkauf von Tageskalendern, die dann je nach Reisezeit in den Reiseführer eingebaut werden können. Müsste es eigentlich Dienstleister für geben...
- Hilfsmittel wie Karten, Geotagging, Bildverwaltung etc. düfte es ausreichend geben (zenphoto, openmaps etc.)
- Sicherlich ließen sich die Daten (ordentlich gegeotagged) dann auch recht leicht über diesen neumodischen mobilen Krimskrams verwenden.






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