Was sind heute noch Verlage?
Mittwoch, 26. August 2009 - Kategorie: Publizieren
Vor einiger Zeit hat Leander Wattig auf Upload die Frage gestellt, was Bücher in einer digitalen Welt eigentlich noch sind? Jetzt hat Matthias Schwenck auf bwlzweinull eine spannende Skizze vom Buchmarkt der Zukunft gezeichnet.
Aus meiner Sicht gibt es noch eine weitere Frage: Was sind in Zukunft überhaupt noch Verlage?
Bis vor kurzem hätte ich die Frage noch wie folgt beantwortet: Verlage sind im Kern Marken mit angeschlossenen Vertriebskanälen. Schon das klingt verkürzt, entspricht aber bereits heute häufig der Realität: Nach den Outsourcing-Orgien der letzten Jahre bestehen einige Verlage (von denen man es gar nicht denkt) nur noch aus einer oder zwei Personen: Dem Verlagschef und einem Marketing- resp. Vertriebsprofi. Alle anderen Verlagsleistungen vom Lektorat, Korrektorat, Herstellung und sogar Konzeption und in selteneren Fällen bis hin zum Programmmanagement werden häufig von externen Dienstleistern übernommen.
Zur Neudefinition von Verlagen gibt es bereits einige Versuche: Jemand (ich kann das Zitat leider nicht mehr richtig zuordnen) hat den Verlag der Zukunft mal als Softwareanbieter beschrieben. In diese Richtung gehen bereits viele Verlage (siehe iPublish von Ganske), und die häufige Verlagsschelte aus der Netzwelt verkennt ein bisschen die Tatsache, dass Verlage keine Analphabeten sind und z.B. fleißig in XML konvertieren oder Webseiten basteln.
Trotdem bleibt die Frage: was ist der Verlag künftig noch. Mit einem Partner hatte ich mal den Gedanken verfolgt, einen "Verlag der Verleger" zu gründen, d.h. ein Framework anzubieten, mit dem jeder sein eigenes Verlagsprogramm aufbauen kann - denn konsequenterweise könnte man ja versuchen, auch die verbliebenen Funktionen (Markenbildung und Programmmanagement) outzusourcen.
Doch auch dabei war letztlich der Hintergedanke, dass die Marke des Verlags alles bewegt: Die Anziehungskraft für gute Autoren (sprich gute Inhalte) und für viele Leser, die dann nur noch über die (ja auch nicht immer einfach aufzubauenden) Vertriebskanäle bedient werden.
Inzwischen bin ich mir aber nicht mehr sicher, ob Markenbildung und Vertrieb auch in Zukunft noch die Kernfunktion sein werden. Welche Marketing- und Vertriebskanäle wichtig sind - direkter Kundenkontakt oder Online- / Offline-Buchhandel) - hängt stark vom Verlagstyp ab. Als grobe Regel: Je Nischiger und kleiner das Thema, desto wichtiger die Direktansprache des Kunden. Der Buchhandel samt Amazon spielen dann eigentlich keine Rolle mehr. Doch was passiert, wenn durch Social-Media die Direktansprache zwischen AUTOR und Kunden immer mehr an Bedeutung gewinnt, der Autor selbst also immer mehr die "Markenbildung" betreibt und weniger vom Prestige des Verlags profitiert? Brauchen solche Autoren - die Zugpferde der Verlage - überhaupt noch die Markenbildung (geschweige denn Vertriebsorganisation) des Verlags?
Da gibt es zunächst mal den Erfolg von BoD-Publikationen im Ausland, also ein reiner Service-Verlagstyp, der eigentlich nur noch die Formalia übernimmt und den Vertrieb garantiert. Markenbildung findet hier eigentlich nur noch durch den Autor statt - wenn überhaupt. Hinzu kommen die Entwicklungen im Social-Media-Bereich, bei dem eben der Direktkontakt für jedermann offen und vor allem viel mehr Wert ist, als anonyme Marken oder Werbekampagnen. Stellt man jetzt noch Techniken wie z.B. von Gogol-Medien in Rechnung, bei denen nach der Online-Texterfassung der gesamte Prozesse bis zur Lieferung der Druckdaten automatisiert ist, es also auch keinen Mehraufwand durch technische Hürden mehr gibt, dann kommt man bei der Beantwortung der Frage "Was ist künftig ein Verlag" doch arg ins Schwitzen.
Zu Radikal? Vielleicht hilft ein Blick in die Musik-Branche, in der Labels bereits einen großen Teil ihrer Funktion verloren haben. Ich würde einfach mal den salomonischen Spruch ausgeben: Verlage sind vielleicht auch einfach ein Stück weit Glaubenssache.
Aus meiner Sicht gibt es noch eine weitere Frage: Was sind in Zukunft überhaupt noch Verlage?
Bis vor kurzem hätte ich die Frage noch wie folgt beantwortet: Verlage sind im Kern Marken mit angeschlossenen Vertriebskanälen. Schon das klingt verkürzt, entspricht aber bereits heute häufig der Realität: Nach den Outsourcing-Orgien der letzten Jahre bestehen einige Verlage (von denen man es gar nicht denkt) nur noch aus einer oder zwei Personen: Dem Verlagschef und einem Marketing- resp. Vertriebsprofi. Alle anderen Verlagsleistungen vom Lektorat, Korrektorat, Herstellung und sogar Konzeption und in selteneren Fällen bis hin zum Programmmanagement werden häufig von externen Dienstleistern übernommen.
Zur Neudefinition von Verlagen gibt es bereits einige Versuche: Jemand (ich kann das Zitat leider nicht mehr richtig zuordnen) hat den Verlag der Zukunft mal als Softwareanbieter beschrieben. In diese Richtung gehen bereits viele Verlage (siehe iPublish von Ganske), und die häufige Verlagsschelte aus der Netzwelt verkennt ein bisschen die Tatsache, dass Verlage keine Analphabeten sind und z.B. fleißig in XML konvertieren oder Webseiten basteln.
Trotdem bleibt die Frage: was ist der Verlag künftig noch. Mit einem Partner hatte ich mal den Gedanken verfolgt, einen "Verlag der Verleger" zu gründen, d.h. ein Framework anzubieten, mit dem jeder sein eigenes Verlagsprogramm aufbauen kann - denn konsequenterweise könnte man ja versuchen, auch die verbliebenen Funktionen (Markenbildung und Programmmanagement) outzusourcen.
Doch auch dabei war letztlich der Hintergedanke, dass die Marke des Verlags alles bewegt: Die Anziehungskraft für gute Autoren (sprich gute Inhalte) und für viele Leser, die dann nur noch über die (ja auch nicht immer einfach aufzubauenden) Vertriebskanäle bedient werden.
Inzwischen bin ich mir aber nicht mehr sicher, ob Markenbildung und Vertrieb auch in Zukunft noch die Kernfunktion sein werden. Welche Marketing- und Vertriebskanäle wichtig sind - direkter Kundenkontakt oder Online- / Offline-Buchhandel) - hängt stark vom Verlagstyp ab. Als grobe Regel: Je Nischiger und kleiner das Thema, desto wichtiger die Direktansprache des Kunden. Der Buchhandel samt Amazon spielen dann eigentlich keine Rolle mehr. Doch was passiert, wenn durch Social-Media die Direktansprache zwischen AUTOR und Kunden immer mehr an Bedeutung gewinnt, der Autor selbst also immer mehr die "Markenbildung" betreibt und weniger vom Prestige des Verlags profitiert? Brauchen solche Autoren - die Zugpferde der Verlage - überhaupt noch die Markenbildung (geschweige denn Vertriebsorganisation) des Verlags?
Da gibt es zunächst mal den Erfolg von BoD-Publikationen im Ausland, also ein reiner Service-Verlagstyp, der eigentlich nur noch die Formalia übernimmt und den Vertrieb garantiert. Markenbildung findet hier eigentlich nur noch durch den Autor statt - wenn überhaupt. Hinzu kommen die Entwicklungen im Social-Media-Bereich, bei dem eben der Direktkontakt für jedermann offen und vor allem viel mehr Wert ist, als anonyme Marken oder Werbekampagnen. Stellt man jetzt noch Techniken wie z.B. von Gogol-Medien in Rechnung, bei denen nach der Online-Texterfassung der gesamte Prozesse bis zur Lieferung der Druckdaten automatisiert ist, es also auch keinen Mehraufwand durch technische Hürden mehr gibt, dann kommt man bei der Beantwortung der Frage "Was ist künftig ein Verlag" doch arg ins Schwitzen.
Zu Radikal? Vielleicht hilft ein Blick in die Musik-Branche, in der Labels bereits einen großen Teil ihrer Funktion verloren haben. Ich würde einfach mal den salomonischen Spruch ausgeben: Verlage sind vielleicht auch einfach ein Stück weit Glaubenssache.





