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Zwei Korrektorenbörsen im Web

Montag, 5. Oktober 2009 - Kategorie: Informieren

Es scheint derzeit Mode zu sein, Text- und Kreativarbeiter mit neuen Auftragsportalen zu beglücken. Zwei dieser Börsen haben nun den bislang noch jungfräulichen Korrektoratsbereich im Blick:

1. mytextguru.com
MyTextguru hat das Prinzip der Übersetzerplattform "Tolingo" auf die Korrektorenbranche übertragen: User können Texte hochladen und einer Kategorie zuordnen, anschließend spuckt die Maschine eine Kostenkalkulation aus. Als ich im August einen Probetext hochgeladen habe, ergab sich ein Honorar von ca. 6,90 pro Normseite. Eine Normseite umfasst laut dem Lektorenverband VFLL ca. 1.500 bis 1.650 Anschläge (also inkl. Leerzeichen), der Verband empflieht 5,30 bis 8,90 pro Normseite (siehe PDF Honorarempfehlungen), falls denn überhaupt nach Normseite und nicht nach Pauschale abgerechnet wird. Textguru liegt also erst einmal im Rahmen der Empfehlungen, was mit Blick auf Dumping-geächtete Auftragsbörsen im SEO-Text-Bereich durchaus erfreulich ist. Es bleibt allerdings beim Textguru die Frage, wie viel Provision der Betreiber einbehält.

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Auf welche Lektorenpools die Börse zurückgreift, ist nicht bekannt, so kann man auch über Qualität und Zuverlässigkeit erst einmal keine Vermutungen anstellen. Macher ist ein gewisser Christoph Helmes, der nicht aus der Verlagsbranche kommt, was allerdings kein Hindernis sein muss.

Lektornet
Wie Deutsche Startups gerade meldet, haben zwei Gründer das o.g. Konzept nun noch einmal kopiert und leicht modifiziert ins Rennen geschickt. Das Portal nennt sich "Lektornet", bietet eine "professionelle Schlussredaktion" an und greift laut Eigenaussage auf ein "Pool-Team aus Germanisten und Journalisten" zurück. Ersteres Klingt für mich eher nach Studenten, was aber durchaus auch bei manchen Verlagen usus ist. Die Preise liegen zwischen 5,99 und 12,99, nach den Staffelungsbereichen zu urteilen (Von "Unterhaltung" über "Mode" bis "Special Interest") scheint man eher Magazine und Tageszeitungen im Blick zu haben.

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Den Kundennutzen beschreiben die Macher so: "Der Seitenpreis liegt weit unter dem Marktstandard und Ihre Fixkosten für Personal, IT und Redaktionsräume sinken". Na klar, Geiz ist Geil, Dumping allerdings etwas einfallslos, zumal es in diesem Fall auch nicht so ganz stimmt (zumindest im 'Benchmarking' mit dem VFLL). Man könnte es ja auch mal mit Qualität, Flexibilität und Zuverlässigkeit versuchen, und Outsourcing ist in der Branche nun auch nicht mehr ganz neu.

Nun gut, die Portale sind also relativ unspektakuläre "me-too"-Startups, in der von diesen Modellen bislang noch unbelekten Lektoren-Freelancer-Branche allerdings einen Versuch wert. Dass die Portale so spät kommen, mag einen Grund darin haben, dass es
1. keinen Mangel an Lektoren gibt,
2. zwischen Auftraggebern und Lektoren meist ein jahrelanges Arbeitsverhältnis besteht, sprich wenig Fluktuation,
3. es für Dumping in der ohnehin extrem niedrigpreisigen Branche kaum Spielraum gibt.
Aus all diesen Gründen müssen diese Portale schon ein extrem gutes und aktives Marketing betreiben, um Erfolg zu haben...

Wer übrigens einen Lektor oder Korrektor sucht, kann auch schlicht über die Datenbank des VFLL gehen (zugegeben, schlummert in den tiefen Eingeweiden des Netzes), oder das angestammte Portal: lektorat.de bemühen, das sich allerdings seine Einträge bezahlen lässt (oder zumindest ließ), was ich in dieser Branche ebenfalls etwas zweifelhaft finde ...

PS: Schlussredakteur, Korrektor oder Lektor?
1. Korrektoren - korrigieren Texte auf Orthographie, Grammatik und ggf. Stilistik.
2. Schlussredakteure = Korrektoren
3. Lektoren >= Korrektoren (wahlweise mit Schwerpunkt Stilistik): In Buchverlagen nennt man Lektoren auch häufiger Produkt- oder Programmmanager, nicht nur, weil es so schön wichtig klingt, sondern auch, weil Lektoren in Verlagen nur in Ausnahmefällen das Korrektorat übernehmen. Vielmehr initiieren, entwickeln und managen sie Medienprodukte und -programme, erarbeiten also Konzepte, stellen Kalkulationen auf, betreiben Autorenpflege, erstellen Marktanalysen etc. Wissen die meisten Branchenfremden leider nicht ...

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