Vom Blog zum Buch mit Fastpencil

Dienstag, 10. November 2009 - Kategorie: Publizieren

Seit Ende Juli 2009 gibt es einen neuen Mitspieler im kleinen Kreis der Selfpublishing-Tools: PastPencil ist in dem verschlafenen Örtchen Campbell des Sonnenstaates Californien beheimatet und kann durchaus für frischen Wind bei Buchmachern sorgen. Denn die Publisher-Plattform hat eine entscheidende Neuerung: Man kann Inhalte aus dem Web per Mausklick integrieren und anschließend in der Plattform auch editieren. Wer also seine Inhalte ohnehin online erstellt und zum Beispiel einen Blog betreibt, kann mit wenigen Mausklicks seine Beiträge in ein Buch verwandeln. Damit könnte FastPencil den künftigen Weg beschreiben, der von der Texterfassung über den Import, das Editieren, die Gestaltung bis hin zum Publizieren die gesamte Entstehungskette bedient.

Wie es funktioniert
Nach der Registrierung kommt man zu seiner persönlichen Verwaltungsoberfläche und kann direkt loslegen: Nicht weniger als 12 verschiedene Möglichkeiten der Bucherstellung stehen bereit, vom Kochbuch über persönliche Memoiren bis hin zu einer eher kuriosen Variante: Klassiker wie Bram Stoker's Drakula einspielen und einfach mal versuchen, es noch besser zu schreiben (an Dostojewskijs Schuld und Sühne kann man sich ebenfalls versündigen).

FastPencil

Blogger wird eine Funktion besonders freuen: "Turn your blog into a book". Damit lassen sich Bloginhalte per RSS oder direkt von der Homepage in die Plattform integrieren, die Anforderung von Passwort und Username schützen dabei vor Content-Klau. Schon beim Einspielen vermeidet die Plattform die Unzulänglichkeiten der Konkurrenz: Man kann nicht nur die Zeitspanne für die Beiträge angeben, sondern zusätzlich die Beiträge für den Import einzeln auswählen.

FastPencil

Einmal importiert können die Chapter sortiert und - wohl der größte Vorteil der Plattform - auch einzeln editiert werden. Mag sein, dass die ein oder anderen Tools zum Editieren noch ausbaufähig sind. Für die Umwandlung von Blogs in Publikationen gibt es derzeit jedoch keine Plattform mit vergleichbar umfassenden Funktionen auf dem Markt.

FastPencil

Neben diesen Kernfunktionen bietet FastPencil noch diverse Zusätze: Kapitel können kollaborativ bearbeitet werden, wobei zwischen zwei Rechten unterschieden wird: Reviewer, die Kommentieren dürfen und Editor, die eingreifen können. Es gibt einen Market-Place, in dem sich Editoren, Layouter oder Autoren treffen (also ein ähnliches Community-Modell wie bei Tredition.de).

Das Geschäftsmodell
Beim Geschäftsmodell verfolgt FastPencil den bekannten Weg der kostenpflichtigen Publikation, den Verkauf von Zusatzleistungen und die Beteiligung am Erlös. Die Grundpreise staffeln sich wie folgt:
  • Minimum ist eine Privat-Publikation zu Herstellerkosten (Print-Buch), die über einen Kalkulator abgefragt werden können, oder 9.99$ für ein ePUb oder PDF-Format.
  • Eine Publikation innerhalb des Marketplace kostet 19.99$
  • Eine Publikation mit ISBN und Distribution über Amazon & Co. kostet als Print- und E-Book 99.99$ oder 59.99$ in jeweils nur einem Format.
Offensichtlich hofft die Plattform auch auf einen Verkauf der Bücher, an dem sowohl der Autor mit einem Honorar, wie auch Fastpencil mit einer Provision beteiligt sind. Dabei wird grundsätzlich unterschieden, ob ein Buch nur privat über den FastPencil-Marketplace verkauft wird, oder ob das Buch eine ISBN erhält und auch außerhalb der FastPencil-Mitgliedschaft erworben werden kann.

Bei einem privaten Verkauf werden zunächst die Produktionskosten abgezogen, von dem Autorenhonorar wird Fastpencil mit einer Provision von 25% beteiligt.

Bei einem öffentlichen Verkauf über fremde Plattformen wie Amazon & co. erhält der Buchhandel den üblichen Anteil von 40% des Buchladenpreises, der auf den Basispreis (Herstellungskosten + Autorenhonorar + FastPencil-Anteil) aufgeschlagen wird. Erfolgt der Verkauf über den FastPencil-Marktplatz, werden diese 40% zwischen dem Autor und FastPencil aufgeteilt, und zwar wiederum 75% für den Autor und 25% für FastPencil.

Eine letzte Einnahmequelle der Plattform sind freiwillige Servicepackete rund um die Buchpublikation, die mit bis zu 999$ zu Buche schlagen können.

Schaut man sich das Konditionengefüge an, kann man den Service Fairness bescheinigen. Vermutlich werden schon in die Herstellungskosten ein gewisser Prozentsatz für die Plattform einberechnet, grundsätzlich dürfte die Plattform jedoch mit den Basispreisen für den Publikationsservice seine Fixkosten abdecken. Das der Service nicht grundsätzlich kostenlos ist, kann als offene Politik bewertet werden: Dass Publikationsdienste nicht mehr kostenlos sind und im Zweifelsfall vom Verlag quersubventioniert werden, sollte für Autoren einsichtig sein. Wer auf einen Bestseller hofft, wird wohl ohnehin zu einem klassischen Verlag gehen, denn die Buchpreise von derartigen Verlagsmodellen können durch die hohen Produktionskosten ohnehin nicht mit hochauflagigen Büchern konkurrieren.

Fazit
Insgesamt finden sich bei FastPencil viele gute Ansätze wieder, die hierzulande bereits Tredition ausprobiert hat: Das transparente Konditionengefüge, die Preisgestaltung durch den Autor, die angehängte Community etc. Die Stärke von FastPencil liegt jedoch sicher darin, dass es sich nicht mit einer Verkaufsplattform begnügt, sondern den Autoren erstmals vom Schreiben über das Editieren bis zum Publizieren alle nötigen Tools an die Hand gibt und dabei auch die Bedürfnisse einer nicht zu verachtenden Publisher-Gruppe berücksichtigt: die Blogger. Ein Manko ist sicherlich noch, dass keine eigenen Templates entwickeln werden können und damit dem gestalterischen Spielraum Grenzen gesetzt sind. Insgesamt wird mit Fastpencil jedoch ein Tor zu einer umfassenden Publikationsplattform geöffnet.

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