[>>]

Publizieren

Montag, 16. November 2009

Fänd ich gut: twittertim.es für Wordpress

Montag, 16. November 2009 - Kategorie: Publizieren

Personalisierung ist derzeit Trumpf: Heute startet Niiu mit seiner personalisierten Holzzeitung, doch schneller war mal wieder das Netz: Vor wenigen Tagen ist der Dienst twittertim.es online gegangen, der aus Twitterlinks eines Accounts ein personalisiertes Webmagazin baut, d.h. die in Twitter verlinkten Inhalte direkt nutzt:



Ganz verkneifen kann ich mir den Hinweis auf den guten Ratschlag an Nachrichten.de an dieser Stelle leider nicht ;-)

Einen anderen Ansatz hat vor einiger Zeit readtwit gewählt, über das sich aus den Twitterlinks eines Accounts zwar kein Magazin, wohl aber ein RSS-Stream erstellen lässt. Besonders interessant: Man kann User oder Hashtags filtern und damit den Output recht gut steuern.



Auch ohne diesen kleinen Wunschzettel wird ein twittertim.es-ähnliches Wordpress-Plugin sicher nicht lange auf sich warten lassen, denn damit könnte Wordpress endlich Anschluss zum Lifestreaming finden und auch Blog-Diensten wie Posterious etwas Glammer abluxen.

Was mich interessieren würde wäre vor allem:
  1. Filter- und Gruppenmöglichkeiten, sodass mehrere Twitterer ein Mag befüllen könnten,
  2. Die Ansprache bestimmter Kategorien, zum Beispiel eines Kalenders, eines Job-Bereichs etc. Das Tool Doppler macht es einem z.B. möglich, die Veranstaltungseinträge auch bequem per Twitter per Code zu befüllen.
Hintergedanke sind meine Erfahrungen mit Nachrichtenblogs: www.louis-e.de habe ich vor Monaten trotz relativem Zuspruch aufgegeben, weil die Befüllung schlicht zu zeitintensiv war. Könnte man Twitter als Quasi-Redaktionstool dazwischenschalten und ein Mag auch per Gruppe befüllen, wäre der Arbeitsaufwand drastisch gesenkt. Damit könnten kleine Nischen eine tolles Tool an die Hand bekommen, leserorientierte Magazin-Oberflächen ohne großen Aufwand kollaborativ zu befüllen. In kleinen Branchen, die sich ihre Öffenltichkeit selber schaffen müssen (so war's bei louis-e) und es praktisch kein zentrales Publikationsorgan, keine zentrale Veranstaltungsliste und praktisch keine journalistischen Inhalte gibt, sehe ich da durchaus Bedarf.

Ich rechne mal mit vier Monaten, bis so ein Plugin auftaucht ...

Dienstag, 10. November 2009

Vom Blog zum Buch mit Fastpencil

Dienstag, 10. November 2009 - Kategorie: Publizieren

Seit Ende Juli 2009 gibt es einen neuen Mitspieler im kleinen Kreis der Selfpublishing-Tools: PastPencil ist in dem verschlafenen Örtchen Campbell des Sonnenstaates Californien beheimatet und kann durchaus für frischen Wind bei Buchmachern sorgen. Denn die Publisher-Plattform hat eine entscheidende Neuerung: Man kann Inhalte aus dem Web per Mausklick integrieren und anschließend in der Plattform auch editieren. Wer also seine Inhalte ohnehin online erstellt und zum Beispiel einen Blog betreibt, kann mit wenigen Mausklicks seine Beiträge in ein Buch verwandeln. Damit könnte FastPencil den künftigen Weg beschreiben, der von der Texterfassung über den Import, das Editieren, die Gestaltung bis hin zum Publizieren die gesamte Entstehungskette bedient.

Wie es funktioniert
Nach der Registrierung kommt man zu seiner persönlichen Verwaltungsoberfläche und kann direkt loslegen: Nicht weniger als 12 verschiedene Möglichkeiten der Bucherstellung stehen bereit, vom Kochbuch über persönliche Memoiren bis hin zu einer eher kuriosen Variante: Klassiker wie Bram Stoker's Drakula einspielen und einfach mal versuchen, es noch besser zu schreiben (an Dostojewskijs Schuld und Sühne kann man sich ebenfalls versündigen).

FastPencil

Blogger wird eine Funktion besonders freuen: "Turn your blog into a book". Damit lassen sich Bloginhalte per RSS oder direkt von der Homepage in die Plattform integrieren, die Anforderung von Passwort und Username schützen dabei vor Content-Klau. Schon beim Einspielen vermeidet die Plattform die Unzulänglichkeiten der Konkurrenz: Man kann nicht nur die Zeitspanne für die Beiträge angeben, sondern zusätzlich die Beiträge für den Import einzeln auswählen.

FastPencil

Einmal importiert können die Chapter sortiert und - wohl der größte Vorteil der Plattform - auch einzeln editiert werden. Mag sein, dass die ein oder anderen Tools zum Editieren noch ausbaufähig sind. Für die Umwandlung von Blogs in Publikationen gibt es derzeit jedoch keine Plattform mit vergleichbar umfassenden Funktionen auf dem Markt.

FastPencil

Neben diesen Kernfunktionen bietet FastPencil noch diverse Zusätze: Kapitel können kollaborativ bearbeitet werden, wobei zwischen zwei Rechten unterschieden wird: Reviewer, die Kommentieren dürfen und Editor, die eingreifen können. Es gibt einen Market-Place, in dem sich Editoren, Layouter oder Autoren treffen (also ein ähnliches Community-Modell wie bei Tredition.de).

Das Geschäftsmodell
Beim Geschäftsmodell verfolgt FastPencil den bekannten Weg der kostenpflichtigen Publikation, den Verkauf von Zusatzleistungen und die Beteiligung am Erlös. Die Grundpreise staffeln sich wie folgt:
  • Minimum ist eine Privat-Publikation zu Herstellerkosten (Print-Buch), die über einen Kalkulator abgefragt werden können, oder 9.99$ für ein ePUb oder PDF-Format.
  • Eine Publikation innerhalb des Marketplace kostet 19.99$
  • Eine Publikation mit ISBN und Distribution über Amazon & Co. kostet als Print- und E-Book 99.99$ oder 59.99$ in jeweils nur einem Format.
Offensichtlich hofft die Plattform auch auf einen Verkauf der Bücher, an dem sowohl der Autor mit einem Honorar, wie auch Fastpencil mit einer Provision beteiligt sind. Dabei wird grundsätzlich unterschieden, ob ein Buch nur privat über den FastPencil-Marketplace verkauft wird, oder ob das Buch eine ISBN erhält und auch außerhalb der FastPencil-Mitgliedschaft erworben werden kann.

Bei einem privaten Verkauf werden zunächst die Produktionskosten abgezogen, von dem Autorenhonorar wird Fastpencil mit einer Provision von 25% beteiligt.

Bei einem öffentlichen Verkauf über fremde Plattformen wie Amazon & co. erhält der Buchhandel den üblichen Anteil von 40% des Buchladenpreises, der auf den Basispreis (Herstellungskosten + Autorenhonorar + FastPencil-Anteil) aufgeschlagen wird. Erfolgt der Verkauf über den FastPencil-Marktplatz, werden diese 40% zwischen dem Autor und FastPencil aufgeteilt, und zwar wiederum 75% für den Autor und 25% für FastPencil.

Eine letzte Einnahmequelle der Plattform sind freiwillige Servicepackete rund um die Buchpublikation, die mit bis zu 999$ zu Buche schlagen können.

Schaut man sich das Konditionengefüge an, kann man den Service Fairness bescheinigen. Vermutlich werden schon in die Herstellungskosten ein gewisser Prozentsatz für die Plattform einberechnet, grundsätzlich dürfte die Plattform jedoch mit den Basispreisen für den Publikationsservice seine Fixkosten abdecken. Das der Service nicht grundsätzlich kostenlos ist, kann als offene Politik bewertet werden: Dass Publikationsdienste nicht mehr kostenlos sind und im Zweifelsfall vom Verlag quersubventioniert werden, sollte für Autoren einsichtig sein. Wer auf einen Bestseller hofft, wird wohl ohnehin zu einem klassischen Verlag gehen, denn die Buchpreise von derartigen Verlagsmodellen können durch die hohen Produktionskosten ohnehin nicht mit hochauflagigen Büchern konkurrieren.

Fazit
Insgesamt finden sich bei FastPencil viele gute Ansätze wieder, die hierzulande bereits Tredition ausprobiert hat: Das transparente Konditionengefüge, die Preisgestaltung durch den Autor, die angehängte Community etc. Die Stärke von FastPencil liegt jedoch sicher darin, dass es sich nicht mit einer Verkaufsplattform begnügt, sondern den Autoren erstmals vom Schreiben über das Editieren bis zum Publizieren alle nötigen Tools an die Hand gibt und dabei auch die Bedürfnisse einer nicht zu verachtenden Publisher-Gruppe berücksichtigt: die Blogger. Ein Manko ist sicherlich noch, dass keine eigenen Templates entwickeln werden können und damit dem gestalterischen Spielraum Grenzen gesetzt sind. Insgesamt wird mit Fastpencil jedoch ein Tor zu einer umfassenden Publikationsplattform geöffnet.

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Konzept - personalisierter Reiseführer Web2Print

Donnerstag, 1. Oktober 2009 - Kategorie: Publizieren

Nachdem der Verlagsberater F. Heinold in seinem Blog Web2Print-Lösungen eine Konjunktur nachgesagt hat, die Buchbranche freundlich um neue Geschäftsmodelle für elektronische Produkte bittet und Axel Springer für ein neues Medienprojekt (ok. sollte eher journalistisch ausgerichtet sein) schlappe 500.000 Euro auslobt, ist wohl der Zeitpunkt für eines meiner berüchtigten Startup-Modelle gekommen. Und heute geht's mal um Reiseführer! Zur Einführung:

PS: Sorry, ich hab keine Ahnung mehr, woher die Bilder sind. Urheber bitte melden, falls die raus sollen bzw. damit ich Copyright-Hinweise einbauen kann.

Also: Es geht darum, über ein weltweites, englischsprachiges Blog-(oder Typo3)-Netzwerk lokal und vor Ort Reiseführer zu erstellen. Über das Netzwerk kann sich dann der Leser einen auf seine Interessen abgestimmten Reiseführer zusammenklicken. Das heißt, ein D&G-Traveller klickt sich natürlich auch das Boutiquen-Special für Budapest mit rein, eine Mama das "Family-Special" für Lissabon etc. Über die vollautomatisierte Satztechnik, die das Unternehmen Gogol-Medien z.B. bereits bei den User-Generated-Magazins von MyHeimat einsetzt, können diese personalisierten Reiseführer anschließend in ein Buchformat eingespielt werden und dann über einen PoD-Verlag wie z.B. Tredition bestellt, gedruckt und geliefert werden. Natürlich muss es neben der Web- und der Printversion auch eine Mobile-Anwendung für das I-Phone geben, denn Mobile ist auch im Reisebereich in Zukunft King.
Man sieht also, sämtliche Techniken liegen auf der virtuellen Straße, sie müssen nur sinnvoll verbunden und genutzt werden.

Für die Interessierten noch ein paar Stichpunkte

Medienkonvergenz
Fasst alle Verlage haben in den letzten Jahren Unsummen investiert, um ihre Daten in XML zu konvertieren. XML ist das ideale Format, um Daten in verschiedene Medienformate zu nutzen. Inzwischen sitzen die Verlage auf ihren XML-Daten, nur fallen ihnen leider kaum Produkte ein, die das Potential von XML erschöpfend nutzen. Im Falle von Reiseführern wäre zudem reizvoll, über die Medienkonvergenz auch die verschiedenen Monetarisierungsansätze zu verbinden: Online-Werbung, Premium Account (Mobile) und Print-Verkauf (ggf. ebenfalls mit wechselnden Anzeigenkunden).

Individualisierung
Im Beitrag von F. Heinold gibt es ein paar Beispiele für personalisierte Produkte, z.B. Photobücher oder Kinderbücher, in denen die Namen der Titelhelden gewählt werden können. Meiner Meinung nach ist der Grad der Personalisierung lächerlich im Vergleich zu dem, was mit XML und Web2Print technisch möglich wäre. Reiseführer wären ein guter erster Anfang, um statische Inhalte auch für Print-Produkte zu dynamisieren. Aus meiner Sicht ist die Zeit dafür längst überreif.

Aktualität
Ebenfalls ein großer Vorteil von Web2Print, der bislang überhaupt noch nicht genutzt wird. Gerade Reiseführer leiden unter veralteten Daten, was in der heutigen Welt völlig unnötig erscheint. Wieso hier nichts passiert, ist mir schleierhaft.

Lokal und vor Ort
Ein allgemeiner Trend, der auch im Reiseführermarkt noch nicht so richtig angekommen ist: Die Autoren sind meist nur eine begrenzte Zeit im Land, echte Insider-Tipps und laufende Aktualität ist daher nicht zu erwarten. Der Schritt von InYourPocket, das Know-How von lokal ansässigen Autoren (Expats) zu nutzen, müsste eigentlich viel mehr Nachahmer finden.

Marketing
Der große Haken bei diesem Projekt: Die werbefinanzierte kostenlos-Variante von InYourPocket, die dann über eine hohe Auflage und einem breiten Verteilungsgrad gedeckt wird, fällt natürlich flach. Genauso fällt allerdings die Buchhandelspräsenz klassischer Reiseführer flach. Ob man einen Reiseführer tatsächlich nur über Online-, Social-Media-Kampagnien und ggf. Flyer-Werbung am Point-of-Interest verkaufen kann? Ein Versuch wäre es m.E. wert.

Soweit also mein kostenloser Beitrag zur Rettung der Medienbranche. Ich freue mich natürlich über Diskussionen.

Montag, 14. September 2009

Corporate E-Mags - ein paar Beispiele

Montag, 14. September 2009 - Kategorie: Publizieren

Corporate Publishing: MINI-International
Vor einiger Zeit bin ich auf das Corporate Magazin "Mini" vom gleichnamigen Lifestyle-Vierrädler gestoßen, das mich mit einer spannenden Ausgabe über Kyoto und dessen Kulturszene (samt Indie-Pop-CD) überraschte. Zwar hat Mini inzwischen eine Abkehr vom Konzept der Stadtportraits verkündet und den Erscheinungsturnus heruntergefahren. Doch nach wie vor gilt: Während der Journalismus tief in der Krise steckt, boomt das Geschäft mit dem "Service-Journalismus" (= Corporate Publishing) - und zwar schon seit etwa 10 Jahren. Eine Ankündigung von Gruner & Jahr macht diese Verschiebung besonders augenfällig: Der Verlag wird in Zukunft vermutlich weitere klassische Verlagsprodukte einstampfen und gleichzeitig den Corporate-Publishing-Bereich weiter auszubauen. Das könnte zum allgemeinen Trend werden, denn inzwischen gibt es kaum noch einen namhaften Verlag, der nicht auch auf Corporate Publishing setzt.

Corporate Mags unterliegen nicht den Gesetzen des Marktes und nur in geringerem Maß den Geschmäckern der Leser. Zwar weiß ich von einer Krankenkasse, die ihr vielfach prämiertes Jungend-Mag einstampfte und ein Webportal hochzog, um auf die Mediengewohnheiten der Zielgruppe zu reagieren. Trotzdem: Digital, multimedial und vor allem dialogorientiert muss das Corporate-Publishing nicht sein, wenn das Unternehmen darauf keinen Wert legt.

Dadurch wirkt das Corporate Publishing oft ein bisschen zurückversetzt und es wundert kaum, dass die Unternehmen auch den Trend zum Mobile Content derzeit offenbar verschlafen. Trotzdem gibt es natürlich auch beim Corporate-Mag digitale Anstrengungen, deren Ergebnisse dann beim jährlichen "Best of Corporate Publishing Award" in der Rubrik "Electronic Publishing" zu begutachten sind (allerdings nicht nur E-Mags, sondern alle digitalen Formen).

Ein paar unsortierte Beispiele, die nun im Upload-Magazin zu finden sind.

Sonntag, 13. September 2009

In halbeigener Sache: "Kiwi Paradise" in Hamburg

Sonntag, 13. September 2009 - Kategorie: Publizieren

Ein kleiner Tipp in halbeigener Sache: Ein guter Freund Ingo Petz, mit dem ich schon die ungezählten Vodkasorten im schönen Wolgograd entdecken durfte, liest am Dienstag im Hamburger Literaturcafe Mathilde (Rotherbaum). Ich stelle hier einfach mal den Ankündigungstext rein:

KIWI Paradies. Jetzt kaufen!
"Zu sehen ist ein Neuseeland, das den meisten Reisenden verborgen bleibt und somit den Kiwi-Staat fast 250 Jahre nach James Cook neu entdeckt", urteilte die Süddeutsche Zeitung über den ungewöhnlichen Entdeckerroman (Droemer Knaur) von Ingo Petz. Ironisch und hintergründig erzählt er die Geschichte seines gescheiterten Auswanderungsversuches nach Neuseeland. Einem Land, in dem Gelassenheit und Glücklichsein den Glauben ersetzen, wo es keine Diktatoren, giftigen Tiere oder Pessimismus gibt. In aller Abgeschiedenheit entstanden hier so bizarre wie bodenständige Lebensformen, deren gemeinsamer Nenner ihre verdammte Zufriedenheit zu sein scheint. Warum das so ist, wollte Petz selbst herausfinden."

Alle weitere Informationen findet Ihr auf der Homepage von Mathilde.

Mittwoch, 26. August 2009

Was sind heute noch Verlage?

Mittwoch, 26. August 2009 - Kategorie: Publizieren

Vor einiger Zeit hat Leander Wattig auf Upload die Frage gestellt, was Bücher in einer digitalen Welt eigentlich noch sind? Jetzt hat Matthias Schwenck auf bwlzweinull eine spannende Skizze vom Buchmarkt der Zukunft gezeichnet.

Aus meiner Sicht gibt es noch eine weitere Frage: Was sind in Zukunft überhaupt noch Verlage?

Bis vor kurzem hätte ich die Frage noch wie folgt beantwortet: Verlage sind im Kern Marken mit angeschlossenen Vertriebskanälen. Schon das klingt verkürzt, entspricht aber bereits heute häufig der Realität: Nach den Outsourcing-Orgien der letzten Jahre bestehen einige Verlage (von denen man es gar nicht denkt) nur noch aus einer oder zwei Personen: Dem Verlagschef und einem Marketing- resp. Vertriebsprofi. Alle anderen Verlagsleistungen vom Lektorat, Korrektorat, Herstellung und sogar Konzeption und in selteneren Fällen bis hin zum Programmmanagement werden häufig von externen Dienstleistern übernommen.

Zur Neudefinition von Verlagen gibt es bereits einige Versuche: Jemand (ich kann das Zitat leider nicht mehr richtig zuordnen) hat den Verlag der Zukunft mal als Softwareanbieter beschrieben. In diese Richtung gehen bereits viele Verlage (siehe iPublish von Ganske), und die häufige Verlagsschelte aus der Netzwelt verkennt ein bisschen die Tatsache, dass Verlage keine Analphabeten sind und z.B. fleißig in XML konvertieren oder Webseiten basteln.

Trotdem bleibt die Frage: was ist der Verlag künftig noch. Mit einem Partner hatte ich mal den Gedanken verfolgt, einen "Verlag der Verleger" zu gründen, d.h. ein Framework anzubieten, mit dem jeder sein eigenes Verlagsprogramm aufbauen kann - denn konsequenterweise könnte man ja versuchen, auch die verbliebenen Funktionen (Markenbildung und Programmmanagement) outzusourcen.

Doch auch dabei war letztlich der Hintergedanke, dass die Marke des Verlags alles bewegt: Die Anziehungskraft für gute Autoren (sprich gute Inhalte) und für viele Leser, die dann nur noch über die (ja auch nicht immer einfach aufzubauenden) Vertriebskanäle bedient werden.

Inzwischen bin ich mir aber nicht mehr sicher, ob Markenbildung und Vertrieb auch in Zukunft noch die Kernfunktion sein werden. Welche Marketing- und Vertriebskanäle wichtig sind - direkter Kundenkontakt oder Online- / Offline-Buchhandel) - hängt stark vom Verlagstyp ab. Als grobe Regel: Je Nischiger und kleiner das Thema, desto wichtiger die Direktansprache des Kunden. Der Buchhandel samt Amazon spielen dann eigentlich keine Rolle mehr. Doch was passiert, wenn durch Social-Media die Direktansprache zwischen AUTOR und Kunden immer mehr an Bedeutung gewinnt, der Autor selbst also immer mehr die "Markenbildung" betreibt und weniger vom Prestige des Verlags profitiert? Brauchen solche Autoren - die Zugpferde der Verlage - überhaupt noch die Markenbildung (geschweige denn Vertriebsorganisation) des Verlags?

Da gibt es zunächst mal den Erfolg von BoD-Publikationen im Ausland, also ein reiner Service-Verlagstyp, der eigentlich nur noch die Formalia übernimmt und den Vertrieb garantiert. Markenbildung findet hier eigentlich nur noch durch den Autor statt - wenn überhaupt. Hinzu kommen die Entwicklungen im Social-Media-Bereich, bei dem eben der Direktkontakt für jedermann offen und vor allem viel mehr Wert ist, als anonyme Marken oder Werbekampagnen. Stellt man jetzt noch Techniken wie z.B. von Gogol-Medien in Rechnung, bei denen nach der Online-Texterfassung der gesamte Prozesse bis zur Lieferung der Druckdaten automatisiert ist, es also auch keinen Mehraufwand durch technische Hürden mehr gibt, dann kommt man bei der Beantwortung der Frage "Was ist künftig ein Verlag" doch arg ins Schwitzen.

Zu Radikal? Vielleicht hilft ein Blick in die Musik-Branche, in der Labels bereits einen großen Teil ihrer Funktion verloren haben. Ich würde einfach mal den salomonischen Spruch ausgeben: Verlage sind vielleicht auch einfach ein Stück weit Glaubenssache.

Sonntag, 5. Juli 2009

Fernweh, Reiseführer und das Netz

Sonntag, 5. Juli 2009 - Kategorie: Publizieren

Es gibt Orte, an denen man sich nur ungern als orientierungs- und hilfloser Tourist outet. Der Flughafen Baneasa in Bukarest ist ein solcher Ort, der Bahnhof von Brasov am Fuß der Karpaten zählt ebenfalls dazu, und an ähnlichen Orte stand ich zuvor in Moskau, Tiflis oder Damaskus. Und überall habe ich erst am letzten Tag die wirklich interessanten Ecken entdeckt. An all diesen Orten war ein Reiseführer mein Begleiter, und in vielen Fällen musste ich ihn mit Flüchen belegen, die ich hier nicht wiederholen möchte.

Das Problem ist klar: die Reiseführer sind selten praxistauglich, schon beim Erscheinen veraltet und in der Regel für den Bildungsreisenden geschrieben, der sich mehr für Kirchen und Kulturdenkmäler als für das aktuelle Sozial- und Kulturleben einer Stadt interessiert. Oder - siehe Lonely Planet - etwas zu schnodderich daherkommt und einen in die ungeliebten Backpacker-Enklaven führt.


(Hier ein paar Bilder aus Buka)

Allerdings tut sich im heiß umkämpften Reiseführermarkt einiges:

Werbefinanziertes City-Mag
Bei meiner allerersten Startup-Idee wollte ich vor einigen Jahren eine Travellerpage mit Videos zu allen erdenklichen Aspekten einer Stadt einrichten. Damals kam ich gerade aus Budapest zurück, wo ich viel zu spät die wunderbaren Independent-Designer-Boutiquen entdeckt hatte. Solche Tipps können natürlich am besten Menschen geben, die in der Stadt zu Hause sind.

Einen ähnlichen Gedanken verfolgt die Serie "In your Pocket": Hier geben Expats ständig aktualisierte Tipps zu ihrer Stadt, veröffentlichen das ganze online, als PDF, E-Paper und schließlich als Print-Version kostenfrei und werbefinanziert. Die Blättchen beschreiben allerdings in erster Linie Hotels, Restaurants und Bars, ersetzen daher keinen Reiseführer und auch kein Stadtmagazin mit Tageskalender. Trotzdem, das Projekt ist spannend und offensichtlich erfolgreich.

Elektronischer Reiseführer
Die Verlage selbst scheinen die Zukunft vor allem im elektronischen Reiseführer zu sehen. ipublish von der Verlagsgruppe Ganske arbeitet zum Beispiel an solchen Modellen, und vor einigen Wochen hat bwlzweinull in einem Kurzbericht über das Programm Layar für Android-Mobiltelefone bzw. Wikitude beschrieben, wohin die Reise in Zukunft geht: Bei der Augmented Reality werden reale Bilder und Objekte um digitale Zusatzinformationen ergänzt. Beim Reiseführer zoomed man zum Beispiel ein Objekt an, zu dem ein Programm in Realtime entsprechende Informationen aus dem Netz (z.B. Wikipedia oder Qype) fischt. Das sieht dann so aus:



Community-Ansätze
Klar, Wikipedia muss natürlich auch mitmischen. Und in der Tat: zu Bukarest liefert Wikitravel.org die einzige vollstänige und brauchbare Beschreibung, wie man vom Flughafen Baneasa in die Innenstadt kommt (inkl. Tram). Zum Rest sind die Angaben jedoch reichlich dünne und teilweise schlicht falsch. Insbesondere fehlt Bild- und vor allem Kartenmaterial, was für mich das A und O eines guten Reiseführers ist.

Karten gibt's dagegen auf Wikimapia mehr als genug. Eigentlich nur Karten, denn das ganze "Wikisystem" basiert auf Geotagging und kann am besten als eine Mischung aus Google Earth und Qype beschrieben werden. Interessant ist vor allem, dass man nicht nur einzelne Orte, sondern auch Straßenzüge oder ganze Stadtviertel markieren und beschreiben kann. Das wäre für einen Reiseführer ideal zur Charakterisierung einzelner Stadt- und Szeneviertel. Zumal könnte man so auf Anhieb Galerien, Museen oder spezielle Clubs/Bars auf dem Stadtplan anzeigen. Übrigens: Wikimapia sitzen in Moskau und haben mit Wikipedia nichts zu tun.



Schön wär's: City-Blog und PoD-Reiseführer
Mir würde auf Anhieb kaum ein Bereich einfallen, der sich so sehr für die Personalisierung und PoD-Produktion eignet, wie Reiseführer. Und da wir ja beim Bloggen alle so darben, frage ich mich ab und zu, ob ein Netzwerk aus City-Reiseblogs nicht interessant wäre, über das sich jeder seinen individuellen Reiseführer über Abfrage wie: Reisetyp (Business, Familie, Szenefreak), Reisezeitraum etc. selbst zusammenklicken kann.

Technisch wäre das allerdings nicht ganz so einfach zu realisieren, zumindest wenn es interessant werden soll:
  • Die größte Schwierigkeit wäre sicherlich, die Blogs mit einem automatisierten Satzsystem zu verbinden, damit sich ohne Aufwand ein Print-Führer erstellen und über PoD drucken (oder elektronisch nutzen) ließe.
  • Da die Installation von Daten bei PoD etwas kosten, stellt sich die Frage, wie weit sich individuelle Printbücher rechnen. Bei anderen Büchern rechnet sich das Konzept (es gab z.B. Bücher mit individualisierbaren Titelhelden (m/w), vom Aufwand allerdings kaum vergleichbar), müsste man mal recherchieren.
  • Interessant wäre sicherlich ein zusätzlicher Einkauf von Tageskalendern, die dann je nach Reisezeit in den Reiseführer eingebaut werden können. Müsste es eigentlich Dienstleister für geben...
  • Hilfsmittel wie Karten, Geotagging, Bildverwaltung etc. düfte es ausreichend geben (zenphoto, openmaps etc.)
  • Sicherlich ließen sich die Daten (ordentlich gegeotagged) dann auch recht leicht über diesen neumodischen mobilen Krimskrams verwenden.
Ich sehe schon, auch da wächst der Aufwand wieder ins Unermässliche, trotzdem darf man einen kurzen Gedanken daran verschwenden ...

Samstag, 30. Mai 2009

Abfall für Auserwählte

Samstag, 30. Mai 2009 - Kategorie: Publizieren

Liebe Trendschau-Leser. Abfall ist auch heute noch eine schmutzige Sache, doch als Exil-Kölner weiß man, dass sich gerade solche Geschäfte lohnen. 10 Jahre, nachdem Reinhald Götz mit seinem "Abfall für alle" der Generation der Ressourcen-Verschwender ein Denkmal gesetzt hat, werde ich nun eine autorisierten Recycling-Anlage „Abfall für Auserwählte“ erschaffen. Wenn sich bis zum 06.09.2009 eine Verdopplung der Trendschau-Leserschaft (Stand: 19 am 30.05.2009) abzeichnet, wird die Buchstabensuppe in einem Verlag meiner Wahl erscheinen. Das erste Kapitel war ja schon fertig, ist ja auch immer das schwierigste, sagt man.

Wer sich immer noch für Technik und so interessiert, der abonniere doch bitte meine Lieblingsblogs. Dann versteht man auch den ganzen Müll hier besser ...

Montag, 6. April 2009

Von Titelhelden und Verlagsdramen

Montag, 6. April 2009 - Kategorie: Publizieren

Während sich die digitale Boheme auf der re:publica in Berlin amüsierte, musste ich in Frankfurt einen mittelschweren Schock verkraften. Auslöser war in diesem Fall weniger die Stadt, als vielmehr ein Fachmagazin namens "Publishing Praxis", das mich mit seinem Cover-Titel "Top-Ideen für Web2Print" energisch anblinkte. Beim Durchblättern dieser "Top-Ideen" blieb ich schließlich bei einem User-Generated-Magazin-Framework hängen, das im Oktober 2008 unter dem schönen Namen "Titelhelden" ins Netz gegangen ist. Der Schock: Urheber des Web-Angebots ist ausgerechnet die Deutsche Post, also ein tendenziell uncooler Großkonzern. Noch schlimmer: Das Webangebot wurde nicht von einer strategischen Web7.0-Marketing-Task-Force entwickelt, sondern basiert auf dem Einfall einer "ganz normalen" Mitarbeiterin. Offenheit und Innovationsfreude, die man einem Großkonzern kaum zusprechen mag. Immerhin, die umsetzende Agentur People Interactive aus Köln entspricht halbwegs dem "Coolness"-Klischee, falls das bei der Bewertung der Sachlage weiterhilft...



Nun zum Angebot: Unter "Titelhelden" kann der User sein eigenes Magazinprojekt anlegen, dafür vorbereitete Layouts nutzen oder eigene erstellen und schließlich sogar kollaborativ arbeiten, also ein Redaktionsteam zusammenstellen. Druck und Distribution übernimmt die deutsche Post und ein Blick auf die Preisliste schaut für Kleinauflagen durchaus akzeptable aus. Die "Magazin-Macher-Plattform" arbeitet frontend auf Flash-Basis und backend mit einer SQL-Datenbank. Einen gute Überblick über das Angebot liefert die Guided Tour auf der Introseite von Titelhelden.

Auch wenn mich das Post-Branding nicht unbedingt anmacht, kommt dieses Konzept dem Vorschlag für ein Blog2Mag-Projekt sehr nahe (hier oder hier). Zwar gehen Umsetzung und Adressatengruppe in eine andere Richtung, als mir vorschwebte. Wichtiger ist jedoch, dass Titelhelden zwei extrem hippe und heißgeliebte Konzepte aus den USA verbindet: Der User-Generated-Mag-Gedanke von 8020Publishing (u.a. JPG) und der Magazin-Print- und -Distributionsservice von Magcloud. Fehlt nur noch das Community- und Marketing-Konzept für PDF-Magazine von Issuu.

Dass nun ausgerechnet die Post diesen Schritt macht, sollte das Urteil erst einmal nicht trüben. Allerdings geht dadurch die Ausrichtung zumindest an meinen Interessen vorbei: "Titelhelden" und die "anlassbezogenen Magazine" sind hauptsächlich für Vereine und Privatleute (Hochzeits- oder Urlaubsmags etc.) angelegt. Eine hierzulande eher typische Ausrichtung, denn Mitmach-Konzepte adressieren fast immer den Amateur-Bereich und streben selten einen vermarktbaren Output an - womöglich ein Tribut an die tendenziell obrigkeitshörige und konservative Wirtschaftskultur des Landes (man vergleiche die Erfolge von BoD-Produkten oder Handy-Romanen in den USA oder Japan).

Dennoch sollten solche Konzepte auch im professionellen Bereich irgendwann Eingang finden: Und zwar als ein neuer Verlagstyp, der nur noch das technische Framework zur Verfügung stellt und die eigentlichen inhaltlichen und verlegerischen Arbeiten von (professionellen) Usergruppen erledigen lässt. Die Blogsphäre, in der noch am ehesten professionelle und originäre Inhalte abseits der etablierten Verlagswelt zu finden sind, sollte hier ein wichtiger Adressat sein. Und die Integration bestehender Web-Inhalte über einen XML-Import in einen solchen Verlags- bzw. Magazin-Framework wäre ebenfalls ein Muss.

Wer bei diesen Gedanken die "Spinner"-Glocke leutet, verkennt die Realitäten in Teilen der Verlagswelt: Es gibt inzwischen einige traditionelle Verlage kleiner und mittlerer Größe, die nach einer Outsourcing-Orgie nur noch dem Verlagsleiter eine Festanstellung zugestehen. Alle Arbeiten bis zur Drucklegung werden hingegen von Externen erledigt. Der Verlag stellt bei diesem Modell weiterhin die Distributionskanäle und - vielleicht das entscheidende Element - die "Marke" zur Verfügung. Zu dieser überlebenswichtigen Leistung gibt es bislang noch kein überzeugendes usergetragenes Modell, wobei ich meine, dass der kürzlich vorgestellte Gründungsvorschlag in die richtige Richtung geht und zumindest Ansätze eines markenbildenden und kundenbindenden Systems aufzeigt.

Also: Technisch und organisatorisch wäre dieser neue Verlagstyp ("Framework-Anbieter") eher ein kleiner Schritt, der große Schritt passiert in den Köpfen der User und Käufer. In nicht allzu ferner Zukunft wird ganz sicher jemand diesen Step wagen, ich hoffe nur, dass es dann nicht die Telekom ist ...

Montag, 23. März 2009

Vom Blognetzwerk zum Themenportal: Ein Gründungsvorschlag

Montag, 23. März 2009 - Kategorie: Publizieren

In den letzten Tagen ist wiederholt das Themennetzwerk GLAM besprochen worden, und Upload stellt nun das GLAM-Prinzip als mögliches Erfolgsmodell für die Blogszene dar. Das Rezept: Eine zentrale Themenwebseite, die von vielen dezentralen Themenblogs gefüttert wird, sowie ein eigenes Werbenetzwerk, von dem alle profitieren.



Jan Tißler hat sich auf Upload offenbar schon sehr früh (2007) Gedanken um ein Blognetzwerk gemacht, ich selbst habe vor gut einem Jahr begonnen, ein Konzept für eine Nischenplattform zu entwickeln. Anlass war damals das RSS-Tool Simplepie (bzw. magpie), mit dem Blogger ihren eigenen Lifestream basteln konnten. Über dieses Tool - so der Gedanke damals - könnte man die Nachrichtenaggregation extrem vereinfachen und redaktionell betreute Streams entwickeln, die einem professionellen Anspruch genügen. Hinzu kam die Idee, Stellenanzeigen aus den einzelnen Themenseiten in ein gemeinsames Jobportal zu aggregieren, um so von Traffic und Reichweite gemeinsam zu profitieren. Da Fremdinhalte auf Dauer zu wenig sind, kamen schießlich noch ein paar Ideen für originäre Inhalte hinzu. Quasi als Dummy entwickelte sich daraus mein Biotech-Blog - und ein paar Investorenkontakte bahnten sich ebenfalls an.

Mitgründer- und Investorensuche blieben jedoch letztlich ergebnislos, daher stelle ich die Idee bei passender Gelegenheit nun dahin, wo sie hingehört: ins Netz (dieser lapidare Satz wird den vielen hundert Arbeitsstunden vielleicht nicht ganz gerecht). Wer Lust hat, so ein Portal als Grassroot-Projekt mit aufzubauen, melde sich einfach.

Nebenbei ist der folgende Link übrigens auch eine nette Demonstration des Präsentationstools Prezi (ein Klick auf das Bild startet die Präsentation):

Spannend:

Unser Kommunikationsbüro



The Do-It-Yourself-Guide to Publishers

MeetMe

Stats & Counter

Bloggeramt.de
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de blogoscoop

User Status

Du bist nicht angemeldet.