Mathe, Bücher, Teil 1.
Mittwoch, 14. Oktober 2009 - Kategorie: Schreiben

- Schatten.
Teil 2 folgt.









Die bislang recherchierten Textbörsen richten sich leider mit ihrer teils drastischen Konditionenpolitik fast ausschließlich an die nichtprofessionelle Schreiberzunft, Auftraggeber bzw. Abnehmern stammen überwiegend aus der SEO-Branche. Das Portal Textbroker wurde hier bereits vorgestellt, ein ähnliches Angebot zu den gleichen indiskutablen Konditionen unterbreitet contentworld. Contentworld hat wohl aufgrund des Marktdrucks seine Preise noch einmal gesenkt und dadurch zumindest im Internet Schelte von den Autoren geerntet. Denen würde statt der Abwanderung zu Textbroker noch ein drittes Portal zur Verfügung stehen: textox. Die jüngste der drei Plattformen hat dabei einen klaren Vorteil: sie lässt die Autoren selbst entscheiden, ob sie ihre Leistungen zu Dumping-Konditionen anbieten oder mit dem Auftraggeber frei verhandeln wollen. Auch sonst unterscheidet sich das Modell, denn hier sind es nicht die Abnehmer, die Aufträge einstellen, sondern Texter, die sich mit ihrem Profil und ihren Schwerpunktthemen präsentieren. Geld macht das Portal über die kostenpflichtigen Vermittlung der Kontaktdaten an Auftraggeber. Die Positionierung auf dem Markt bleibt bei Textox allerdings unscharf: einerseits präsentiert sich das Portal als faire Alternative gegenüber textbroker, bietet jedoch andererseit – wenn auch auf freiwilliger Basis - die gleichen Dumping-Konditionen für die gleichen Zielgruppen an. Ein Wettbewerb, in dem das Portal schlicht nicht bestehen kann. Textox wäre daher gut beraten, die Dumping-Preisstruktur komplett aufzugeben und sich auf den (ja noch recht jungfräulichen) professionellen Bereich zu konzentrieren, ev. mit einer zusätzlichen Auftragsfunktion. Derzeit kann man das Portal immerhin als besseres Texterverzeichnis nutzen, wobei fraglich bleibt, warum Auftraggeber nicht auf die (reichlich verfügbaren) kostenfreien Angebote zurückgreifen sollten.
5. Texterverzeichnisse
Verzeichnisse gibt es wie den sprichwörtlichen Sand am Meer. Als Beispiel sei hier der recht etablierte, allerdings auch kostenpflichtige Anbieter lektorat.de genannt, der inzwischen auch über eine Texterabteilung verfügt. Parallel zum Verzeichnis des Lektorenverbands bietet natürlich auch der Texterverband für Mitglieder einen Eintrag. In den Space geworfen seien hier noch Verzeichnisse wie texter.de oder textmarkt.de. Das Problem all dieser Verzeichnisse: sie werden von Auftraggebern so gut wie nicht in Anspruch genommen, wenn sie dort denn überhaupt bekannt sind. Man sollte sich daher gut überlegen, ob man sich für ein kostenpflichtige Angebot entscheidet, oder mehrere kostenlose Verzeichnisse nutzt und so zumindest ein paar weitere Links auf seine Firmenhomepage schaltet.
Die Ideale Textplattform
Keines der Angebote hilft einem professionellen Texter derzeit wirklich weiter. Wer also eine neue Plattform für Texter auf den Markt schmeißen will, sollte zwei Punkte berücksichtigen:
1. Es ist kein Problem für Schreiber, Texte im Internet zu publizieren, sondern ein Problem für Texte, ein Qualitätssigel zu bekommen. Genau das ist die Funktion von Empfehlern, und die mächtigsten institutionalisierten Empfehler sind nach wie vor die Verlage.
2. Es ist kein Problem für Schreiber, ihre Dienstleistung z.B. über Verzeichnisse und Börsen anzubieten, sondern es ist für Verzeichnisse und Börsen ein Problem, die passende Zielgruppe, sprich die Auftraggeber, zu erreichen.
Die ideale Kombination aus einem Autoren- und Textmarktplatz mit anerkanntem Qualitätssigel und einem schlagkräftigen Tool zur Zielgruppenerschließung wartet noch auf seine Geburt. Und selbst dann bleibt die Frage, ob letzlich nicht doch die Macht persönlicher Bindungen und Empfehlungen schwerer wiegt.
open:tx - Der Mittler
Das Journalisten-Portal aus Hamburg versteht sich als „Handelsplattform“ für Verwertungsrechte und tritt als reiner Mittler zwischen professionellen Schreibern und Redaktionen auf. Im geschlossenen Bereich können die Redakteure nach Content recherchieren, den die Journalisten einstellen und verwalten. Den Preis für den Content verhandeln beide Parteien ohne Vorgaben direkt untereinander, die Portalbetreiber werden erst nach dem Verkauf mit 5% am Umsatz beteiligt. Dem Geschäftsmodell entsprechend geht es bei dem Portal in den meisten Fällen um eine Zweitverwertung bereits veröffentlichter Beiträge und Reportagen – eine ohnehin gängige Praxis bei Journalisten, um das geringe Zeilenhonorar ein wenig aufzustocken. Der Vorteil dabei liegt schlicht in der Arbeitsersparnis für den Journalisten, der auf etwa 300 (aktive?) Redakteure hoffen und sich das Klinkenputzen vermeidlich sparen kann.
suite101 - Das Journal
Der kanadische Anbieter gehört zu den alten Schlachtschiffen auf dem Markt: seit 1996 online, nach einem bewegten Leben inzwischen etabliert und in zahlreichen Ländern präsent. Nach dem Einstieg von Burda (Digital Ventures) startete im letzten Juli (07) ein deutscher Ableger, der heute über 200 Autoren zählt. Die englischsprachige Seite verzeichnet laut Eigenauskunft über 800 Autoren und ca. 7 Mio. Leser monatlich.
textbroker - Der Auftraggeber
Das nicht mehr ganz junge Textbroker-Portal repräsentiert ein drittes Modell: Hier bieten Schreiberlinge nicht ihre Texte, sondern ihre Leistung an, d.h. sie schreiben Texte für Auftraggeber auf Grundlage eines eingestellten Briefings. Ein solches Modell macht grundsätzlich für die PR-Arbeit Sinn, wer allerdings professionell im PR-Bereich textet, weiß, dass namhafte Auftraggeber niemals ein Briefing in ein Portal einstellen würden. Hinzu kommt eine drastische Konditionenpolitik von Seiten der Betreiber: pro Wort verdient der Autor zwischen 0,012 und 0,060 Cent. Legen wir den Standard von 1.500 Anschlägen (durchschnittlich 200-250 Wörter) zu Grunde, so verdient der Autor zwischen 3,- und 15,- Euro pro Seite. Vor diesem Hintergrund überhaupt das Wort „professionell“ auf die Webseite zu stellen, zeugt umgekehrt nicht gerade von Professionalität. Wer textbroker in Google eingibt, landet dementsprechend reihenweise auf SEO-Blogs, in denen sich einige Auftraggeber sogar noch über die Qualität der Texte beschweren. Die Aufregung mancher Kollegen ist für mich trotzdem nicht nachvollziehbar, denn mit Textbroker wird ein Markt neu organisiert, der schon früher nicht zum professionellen Bereich gehörte und wohl auch künftig kaum in diese Sphären aufsteigen wird.